Kirche St. Vitus Westhausen
Die Kirche St. Vitus in Westhausen blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Von der sehr alten Vorgängerkirche steht heute nur noch der Turm. Da das Gotteshaus im frühen 18. Jahrhundert zu klein und baufällig geworden war, wurde es 1714 abgerissen. Bereits am 24. April 1715 legte man den Grundstein für die neue Saalkirche, die seitlich an den alten Turm anschließt, und am 6. November 1718 wurde sie feierlich eingeweiht. Die Baukosten betrugen 1492 Gulden. Von der alten Kirche blieb außer dem Turm lediglich die Kanzel erhalten, die die Jahreszahl 1692 trägt.
Der Turm selbst wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert und instand gesetzt: 1788 erfolgten umfangreiche Ausbesserungen, 1821 wurde er erhöht, und 1992 erhielt er eine moderne funkgesteuerte Uhr mit Läutwerk. Die Baufachhochschule Gotha dokumentierte später in einem Projekt alle Maße und Schäden des Turmes, was schließlich 2015 die grundlegende Sanierung der Turmhaube ermöglichte. Zu sehen ist an der Nordseite des obersten Turmgeschosses noch ein wertvolles gotisches Fenster, das nur vom Friedhof aus sichtbar ist.
Im Inneren der Kirche finden sich mehrere historische Schätze. Besonders hervorzuheben sind die farbenprächtigen Jugendstil-Buntglasfenster der Altarwand, die in der Emmaus-Gemeinde einzigartig sind. Die Kanzel aus dem 18. Jahrhundert ist mit Holzschnitzereien und Ecksäulen reich verziert. Die Orgel, ein wertvolles historisches Instrument der Firma Knauf aus Tabarz, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut; bereits 1841 hatte Knauf eine vorherige Orgel für Westhausen geschaffen. Zudem besitzt die Kirche zwei alte Glocken, von denen die größere aus dem Jahr 1576 stammt. Im Kirchenraum befinden sich außerdem verschiedene, von Gemeindemitgliedern verehrte Geschenke.
Über die Jahre wurden zahlreiche Reparaturarbeiten durchgeführt. Mehrfach nahm man den Turmknopf ab und füllte ihn mit zeittypischen Dokumenten und Gegenständen – zuletzt 2016, was Anlass für ein großes „Knopffest“ war.
Westhausen liegt am „Via romae“, dem Rompilgerweg von Stade nach Rom über Nordhausen, Bad Langensalza, Gotha und Friedrichroda. Mehrmals wurden bereits Pilgergruppen aus Nordeuropa an der Kirche herzlich empfangen, wodurch neue Impulse für das Gemeindeleben und ein bereichernder Austausch über den gelebten christlichen Glauben entstanden sind.
Zum 1. Januar 2013 schloss sich die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Westhausen mit zehn weiteren Kirchengemeinden der Umgebung zur Evangelischen Emmaus-Kirchengemeinde Goldbach-Wangenheim zusammen.