Kriegerdenkmal Ballstädt
Eine Frage der Ehre, des Gedenkens und des Mahnens
Klaus Kühnel
„Zwei Kriege in 100 Jahren. Unter den Gefallenen drei aus einer Sippe waren. Sie alle sind es gleichsam wert, dass man sie heute noch ehrt.“
So heißt es in einem Gedicht von Milja Brand (1933-2007), das sie zur Denkmalsweihe im September 2007 schrieb.
Cui honorem, honorem! (Ehre, wem Ehre gebührt). Diese Redensart stammt aus dem Brief des Paulus an die Römer, dessen Gegenstand der Gehorsam gegenüber der Obrigkeit ist.
Nun fragt man sich, was hat dieses Zitat mit Ballstädt zu tun? Recht viel oder recht wenig - je nachdem, wie man es beurteilt.
Auch in unserer Gemeinde sind Begriffe wie Ehre oder zumindest das damit verbundene Gedenken - in diesem speziellen Fall der Gefallenen beider Weltkriege - keine Fremdworte, ja sogar Tugenden. Ein Denkmal sollte hier eine Frage der Ehre sein - heute eher eine Frage des Gedenkens und Mahnens und nicht der Heroisierung wie früher - und so entschlossen sich die Altvorderen unseres Landes nach dem 1.Weltkrieg im Juli 1921 eine Stätte des Gedenkens zu schaffen, als Mahnung und Erinnerung, aber auch als Trost für die im Heimatort noch lebenden Angehörigen. In fast allen Gemeinden Deutschlands, die Gefallene zu beklagen hatten, ist das immer noch Tradition und Verpflichtung, nicht nur in Ballstädt.
„Die Zeit heilt alle Wunden“ - um wieder ein bekanntes Zitat zu nennen, welches Trost und Zuversicht spenden soll. Aber wie es mit der Zeit, oder besser gesagt mit deren berühmtem Zahn so ist, schafft er manchmal neue Wunden. Im Fall unseres Denkmals die Wunden des Verfalls und der Verwitterung.
In der ehemaligen DDR beachtete man diese Denkmale kaum und überließ sie dem Wetter und der Zeit, zum Teil aus politischem Kalkül, oft aber auch wegen fehlender Mittel der damals so schwer zu beschaffenden Baumaterialien. Andere Bauvorhaben hatten Vorzug.
Die politische Wende 1989 änderte vieles, so auch die Sicht auf Denkmäler dieser Art und die Notwendigkeit ihrer Erhaltung und Sanierung.
Folglich war auch in unserer Gemeinde die Sanierung und Vervollständigung mit den Namen der Gefallenen des 2. Weltkrieges unumgänglich geworden, welche 1992 ihren Abschluss mit der Einweihung neu angebrachter Gedenktafeln fand.
So sollten zumindest die Gefallenen unserer Gemeinde wieder ihre verdiente Ruhe finden.
Die Toten fanden sie wohl, aber einige Bürger Ballstädts nicht. Waren doch aus Unkenntnis oder besser gesagt Unüberlegtheit die Gefallenen des 1. Weltkrieges einfach unter den neuen Gedenktafeln verschwunden. Schuldzuweisungen und Fehlerdiskussionen sollen nicht Gegenstand dieses Berichtes sein. Eine heikle Sache – zum einen historisch, emotional für die noch lebenden Verwandten zum anderen. Die Männer ließen nun mal unter fürchterlichen Bedingungen ihr Leben und das Mindeste, was man ihnen schuldet, ist ein ehrendes Gedenken, aus dem eine Mahnung an die nachfolgenden Generationen erwächst.
Der Ballstädter Traditionsverein BTV gab zum Glück keine Ruhe und machte sich daran, diesen unglücklichen Zustand zu ändern. Genau zu berichten, was es bedeutete, dieses Denkmal so zu gestalten, dass allen Genüge getan wird – Genehmigungen einholen, Spenden sammeln, bauliche Erfordernisse erkunden und beachten, freiwillige Arbeitsstunden leisten, Überwindung von Bedenken seitens der Politik und der Kirchgemeinde, generelle Ablehnung aushalten – würde den Rahmen dieser Chronik sprengen. Jedenfalls sei vermerkt, dass die Gemeinde 500 € zur Sanierung beitrug.
Ende gut – alles gut! Um unsere Anekdote zu beenden, trifft auch hier wieder diese kleine Weisheit zu. So konnten die Mitglieder des BTV unter Hartwig Stüber, Falk Horn, Klaus Wittig und vor allem aber Lutz Allstedt mit seinem profunden geschichtlichen Hintergrundwissen im September 2007 bzw. Juli 2012 mit den beiden erneuten Einweihungen nach aufwändiger Neugestaltung ein trauriges Kapitel der Dorfgeschichte einvernehmlich abschließen, und dem Denkmal durch die Umgestaltung einen würdigen Rahmen verleihen.
Dank gilt auch hier nochmal der Gemeinde Ballstädt, allen Beteiligten, zahlreichen Spendern und den Ballstädter Bürgern!
Inschrift des Ballstädter Kriegerdenkmals:
Edmund Glaser X 2.2.15 b. Rawa, 26 J. alt
Arthur Jung II X 20.2.15 b. Ypern, 21, J. alt
Paul Schneegaß X21.7.15 b. Senue, 21 J. alt
Hugo Eisenhardt X 23.7.15 b. Wygoda, 23 J. alt
Karl Kreutzburg X 24.7.15 b. Dubissa, 22 J. alt
Udo Vogt X5.8.15 b. Cholm, 21 J. alt
Karl Stichling X 5.10.15 in Ostrowo, 30 J. alt
Wald. Stichling X8.1.16 b. Rajstovac, 36 J. alt
Kurt Kaltwasser X 12.4.16 b. Verdun, 25 J. alt
Emil Bohn X5.5. 16b. Ypern, 20 J. alt
Paul Breithaupt II X 20.8.16 b. Verdun, 26 J. alt
Es fielen im Kampfe fürs Vaterland
Karl Heyn X 16. 5. 17 b. Roeux 20 J. alt
Karl Köllner X 30. 5. 17 i. Beverloo 18 J. alt
Karl Marx X 20. 7. 17 b. Msjana 20 J. alt
Paul Klotz X11. 8.17 b. Langemark 29 J. alt
Alfred Klotz X 25. 5.18 b. Tourbois 31 J. alt
Paul Güntherodt X22. 9.17 b. Poelkapelle 27 J.alt
Reinhold Beck X 9.11.17 i. d. Argonnen 43 J. alt
Ernst Göring X 17.11.17 b. Poelkapelle 19 J. alt
Otto Glaser X 13.3.18 b. Most 19 J. alt
Rudolf Baumbach X 21.3.18 b. Vendeuil 23 J. alt
Willy Steube X 22.3.18 b. Cambrai 22 J. alt
Hugo Sever X5.5.18 am Kemmel 42 J. alt
Willy Jung X12.6.18 b. Mortemer 30 J. alt
Willy Schmähling X 23.7.18 b. Baslieux 23 J. alt
Albrecht LauferX 11.8.18 b. Chaulnes 19 J. alt
Erich Kühn X11.8.18 b. Chaulnes 22 J. alt
Otto Lindemann X 9.10.18 b. Fleville 37 J. alt
Otto Kolbe X9.5.19 in Nantes 22 J. alt
Otto Steube X 1.5.19 in Ballstädt 41 J. alt
Ferner starben
Emil Breithaupt X15.6. 1916 44 J. alt
Berthold Stichling X 17.1.1917 38 J. alt
Südplatte
Ihren tapferen Söhnen
in Dankbarkeit
Die Gemeinde Ballstädt