Ehemalige Bahnhaltestelle Warza
Bahnstrecke Bufleben — Friedrichswerth
Es war schon frühzeitig erstrebenswert, die nördlich gelegenen Gebiete der Bahntrasse an das Eisenbahnnetz anzuschließen. Bereits um 1882 gab es Beratungen mit Vertretern der umliegenden Ortschaften zur Festlegung der Bahnstrecke.
Vorschlag: Bufleben — Westhausen — Hochheim — Wangenheim — Tüngeda — Reichenbach — Behringen
Dieser Vorschlag ist verworfen worden und endete im Mai 1888 mit der Beschlussfassung des folgenden Streckenverlaufes:
Warza — Goldbach — Wangenheim — Eberstädt — Brühheim/Sonneborn — Friedrichswerth — Großen-behringen (17 km Länge)
Die Vermessungen hierzu waren 1888 beendet. Der erste Spatenstich zu den Erdarbeiten erfolgte am 8. Juli 1889. Im gleichen Jahr baute man an der Bahnstrecke Gotha — Leinefelde, die bereits 1870 eröffnet wurde, einen Bahnhof. Dieser Bahnhof erhielt den Namen „Bufleben".
Von Bufleben aus wurde die Nebenstrecke nach Großenbehringen errichtet. Sie verlief in ost-westlicher Richtung im Tal der Nesse durch Wiesen und Felder und bot dem Bau keine größeren Schwierigkeiten. Nach etwa einjähriger Bauzeit konnte die 17,21 km lange Bahnlinie dem öffentlichen Verkehr übergeben werden.
Am 1. Mai 1890 fuhr der 1. Personenzug. Die Eisenbahn im Nessetal wurde zum großen Wendepunkt im Leben der Einwohner.
Zitiert aus den Turmknopfeinlagen des Schultheiß Fritz Zier und des Pfarrers Seeligmann vom 1. Dezember 1896:
„Unsere Nachkommen werden sich wundern, wie es geschehen konnte, daß der Bahnhof an der Leinefelder Bahn, der noch in der Warzaer Flur liegt „Bufleben" genannt worden ist. Dies ist eine Nachlässigkeit der Bahnverwaltung in Erfurt gewesen. Wir können versichern, daß von uns alle nur erdenklichen Schritte getan worden sind, um diesen Unsinn zu beseitigen. Aber es war alles vergebens, besonders nachdem der Ort Warza am io. August 1890 einen Haltepunkt vor dem Dorfe erhalten hatte. Es hat viel Mühe gemacht, denselben ins Leben zu rufen, da sich die Direktion in Erfurt entschieden ablehnend verhielt. Um so dankbarer werden unsere Nachkommen sein, daß wir diesen Haltepunkt schließlich unter großen Opfern errungen haben."
Nach Beendigung des 2. Weltkrieges wurde die Strecke auf Befehl der Besatzuungsmacht abgebaut (01.02.1948).
Ab dem Jahre 1954 baute man die Strecke wieder auf, aber nur bis Friedrichswerth. Später erfolgte der Anschluß bis zum „Kindel, einem militärisch genutzten Gelände. Der Truppenübungsplatz war wahrscheinlich auch der Grund für den Wiederaufbau der Bahnlinie. Der Güterverkehr war stark ausgelastet, überwiegend von der „Sowjetischen Armee", die auf dem „Kindel" stationiert war. Dieser Teil der Strecke diente nicht dem öffentlichen Verkehr.
Weiterhin nutzten viele Werktätige, die in Gotha-Ost arbeiteten, die Zugverbindung. In den Sommermonaten war der Triebwagen immer mit Kindern der umliegenden Dörfer voll besetzt, die das Schwimmbad besuchten. Expressgut und Arzneimittel wurden ebenfalls transportiert.
In den 70iger und 80iger Jahren ging die Auslastung der Bahnstrecke schon stark zurück, da der Kraftverkehr die Personenbeförderung mit Omnibussen in die Ortschaften absicherte. Aufgrund der kürzeren Fahrzeiten war dies für die Fahrgäste wesentlich günstiger.
Zur Wende brach der Personenverkehr auf der Schiene enorm ein. Viele Bürger verloren ihren Arbeitsplatz oder fuhren mit dem eigenen Auto.
Warza besaß nur das durchgehende Hauptgleis. Die kurze Bahnsteigkante bestand aus hölzernen Altschwellen, deren Oberfläche bekiest war. Die kleine Wartehalle bestand aus einem Fachwerkbau mit flachem Pappdach. Nebenan stand das kleine Abortgebäude.
Das Wartehäuschchen wurde im Jahre 1992/93 abgerissen. Frau Sonja Weißenborn war unsere letzte „Haltestellenwärterin" bis zum 30.04.1990 (24 Dienstjahre).
Im Jahre 1994 teilte die Deutsche Bahn AG dem Landratsamt die Stilllegung von Eisenbahnstrecken im Kreis Gotha mit. Dazu zählte die Nebenstrecke Bufleben — Friedrichswerth (Gleis 1).
Der letzte fahrplanmäßige Zug fuhr am 26. Mai 1995 gegen 17.00 Uhr von Gotha ab. Es war eine Triebwageneinheit mit 4 Wagen. Aufgrund des aktuellen Anlasses war der Zug natürlich sehr gut besetzt.
Am letzten Wagen stand: „Letzte Fahrt Gotha — Friedrichswerth". Das ehemalige Bahngelände wurde zum Teil beräumt und wird seitdem als Parkfläche genutzt.
Der Bufleber Bahnhof hatte sich im Laufe der Zeit zum Knotenpunkt im Norden des Kreises entwickelt. Nach der Wende wurde der Bahndienst eingestellt. Der ehemalige Bahnhof ist nur noch ein „Haltepunkt". Die Zeiten, in denen es hieß Bufleben — Mailand — Madrid sind längst vorbei.
Das Empfangsgebäude, ein zweigeschossiger Ziegelbau, besitzt ein mit Schiefer eingedecktes flaches Satteldach. Der Güterschuppen hat bei gleicher Konstruktionsform ein flaches Pappdach mit gepflasteter Rampe. Die Bahnsteigkanten sind aus Naturstein, die Oberflächen mit Kies befestigt. Ein zwischen den Gleisen i und 2 aufgestellter Wasserkran wurde damals von einem Wasserturm gespeist, der heute noch zu sehen ist. (Situation um 1960 herum)
Das Gebäude wurde im Jahre 2008 an ein Immobilienkonsortium aus Hamburg verkauft, zusammen mit 50 anderen Bahnhöfen aus Thüringen. Nun wartet das Bufleber Bahnhofsgebäude auf sein neues Schicksal.
