Altes Backhaus Warza
Das Warzaer Backhaus
Neben dem Gasthof gehörte in jedem Dorf das Backhaus zu den wichtigsten öffentlichen Gebäuden. So auch in Warza. Backhäuser entstanden bereits mit der Gründung von Ortschaften und der Spezialisierung ihrer Bewohner. Es kam im elften bis zwölften Jahrhundert zur Herausbildung von Berufsgruppen und Zünften wie z.B. Bauer, Müller, Bäcker u.a. .
Der erste Bau eines Backhauses in Warza liegt im Dunkel der Geschichte. Ein erster Eintrag in der Kirchenchronik von Warza stammt aus dem Jahre 1779. Wir erinnern uns: Am 11.April 1779 brannte Warza infolge einer Feuerbrunst bis auf sieben kleine Häuser (Richtung Grenzberg hinter der ehemaligen Bahnlinie) und dem Gasthof ab. Da das Backhaus mit abgebrannt war, wurde ein Neubau unumgänglich.
Neben dem Backen von Brot und Brötchen war das Kuchenbacken ein wichtiger Erwerbszweig für den Bäcker. Zu jeder Gelegenheit wurde damals in Thüringen Kuchen gegessen, besonders zu kirchlichen Feiertagen wie Ostern, Weihnachten und ganz besonders zur Kirmes. Auch der Weihnachtsstollen, in Warza Schittchen genannt, wurde im Backhaus gebacken. Die Kuchen wurden auf flachen, runden Blechen mit einem Durchmesser von 60 bis 100 Zentimeter ausgerollt. Diese Bleche trugen die Frauen auf dem Kopf ins Backhaus. Von dort holten sie den fertig gebackenen Kuchen wieder ab. Wehe dem Bäcker, wenn er den Kuchen nicht gut buk! Dann war die Arbeit der Hausfrau umsonst und er musste mit Ärger rechnen.
Das Ende des Warzaer Backhauses zeichnete sich um 1966 ab. Das Gebäude befand sich in einem schlechten baulichen Zustand und Bäckernachwuchs fehlte. Außerdem übernahmen Großbäckereien das Backen von Brot und Brötchen. Den Verkauf der Backwaren übernahm der „Konsum". Das Kuchenbacken verlagerte sich zunehmend in die privaten Haushalte, die moderne Herde mit elektrischen Backröhren nutzen konnten. Das Format der Kuchen wurde natürlich kleiner. Nebenbei bemerkt: Wenn ein Warzaer Bürger ins Backhaus ging, so sagte er: „Ich gehe mal ins Backs".
Das Warzaer Backhaus stand in der Dorfmitte zwischen den zwei Schwemmteichen, etwa in Höhe des ehemaligen Einkaufsmarktes. Die Gasse zum Kindergarten heißt auch Backhausgasse und erinnert so noch an den Standort in unmittelbarer Nähe.
Hier die Namen der letzten Bäcker, die im Warzaer Backhaus ihr Handwerk ausübten:
Otto Franke
Herr Legler
Walter Günzler
Gerhard Backhaus
(der Name ist rein zufällig — Herr Backhaus wohnte und arbeitete also im Warzaer Backhaus unweit der Backhausgasse als Bäcker!)
Folgende Daten spiegeln die Geschichte des Backhauses wider:
1779 Neubau des Backhauses, die Kosten betrugen 312 Meißner Gulden.
1794 Der Gemeindebackofen wurde repariert, die Kosten beliefen sich auf 73 Thaler, 1 Groschen und 4 Pfennige.
1821 Bau eines neuen Backofens, Ziegeln stammten aus Langensalza. Kosten: 120 Thaler
1856 Erneuerung des Backofens, dazu kann in der Kirchenchronik Folgendes nachgelesen werden:
Im Jahr 1856 wurde im Gemeindebackhaus ein neuer Backofen gebaut. Der Ortsvorstand überzog den Kostenvoranschlag von 483 RF und gab statt dessen 853 Rf 26 Gulden 7 1/2 Pf dafür aus. Das herzogliche Justizamt in Gotha bestellte den damaligen Schultheiß Ritter, damit er sich verantworte. Der verantwortliche Bauinspektor wurde ebenfalls vernommen. Es hatte sich nämlich beim Abriss mehr Schaden als ursprünglich angenommen herausgestellt. Nach längerem Verhandeln genehmigte Herzog Ernst nachträglich die erhöhte Summe.
1884 Maurermeister Breithaupt aus Westhausen erstellte für die Reparatur des Backofens einen Kostenvoranschlag — datiert auf den 24.06.1884.
1885 Reparatur des Backofens in Höhe von 659,8o Mark, zusätzlich erfolgte der Einbau von zwei Schornsteinen in das Gemeindebackhaus.
1924 Ein Laden wurde vom Bäckermeister „Liesenhoff" eingerichtet. Die Pacht betrug 180,— Goldmark jährlich.
1925 Der Pachtpreis für das Backhaus betrug 600,— Goldmark.
1932 Otto Franke begann die Ausübung seines Handwerkes als Bäckermeister im Backhaus Warza.
1933 Das Backhaus erhielt einen Wasseranschluss vom davor stehenden Gemeindebrunnen.
1934 Ausbesserungsarbeiten am Gemeindebackhaus.
1937 Backofenreparatur machte sich erforderlich.
1941 Reparatur am Gemeindebackhaus wurde notwendig. Für den Neubau eines Backhauses sollte ein Rücklagenfond gebildet werden.
1957 Antrag auf Reparatur des Gemeindebackhauses in Höhe von 6o.000 Mark wird gestellt.
1958 Ein neuer Backofen wurde eingebaut. Leider setzte der Zerfall des angrenzenden Grundstückes (z.B. Kohlenstall) ein und der angrenzende Wassergraben begünstigte den Befall mit Ungeziefer. Das Gebäude konnte aus Mangel an Geld nicht mehr unterhalten werden.
1966 Die Gemeindebäckerei musste geschlossen werden. Den Verkauf von Brot und Brötchen für den Ort übernahm die damalige Konsum-Verkaufsstelle. Die Zulieferung erfolgte vom VEB Backwaren Bad Langensalza.
1971 Der Abriss des Gemeindebackhauses durch die Freiwillige Feuerwehr und ehrenamtliche Helfer erfolgte.
Ein neues Backhaus wurde nicht wieder errichtet. Am ehemaligen Standort legte die Gemeinde eine Grünfläche an.

