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Ehemalige Schule Ballstädt

Ein Blick auf das ehemalige Schulhaus 2026
1 Fachkabinett für Physik und Chemie (heute Kindergarten)   2 zwei weitere Klassenräume (heute Verkaufsstelle)

Schule und Schulwesen in Ballstädt

 

Von den Anfängen bis zum Ende des 2. Weltkrieges

Es ist nicht eindeutig nachweisbar, wann es in Ballstädt die erste Schule

gab. Aber aus Urkunden einer katholischen Vikarei von 1333 und 1542 geht

hervor, dass kirchliche Einkünfte der Schule zugeführt wurden, um den Unterricht

zu ermöglichen. Die ersten Lehrer waren Geistliche, die die Kinder in der

Christenlehre unterrichteten. In einer Urkunde beklagte Martin Luther den

desolaten Zustand der Schulen und die mangelnde Bildung der Lehrer in den

deutschen Staaten und forderte die Einrichtung guter Schulen, da das aufstrebende

Bürgertum dieser Zeit immer mehr gebildete Menschen brauchte. Viele

deutsche Landesfürsten schickten sogar ausgediente Soldaten als Lehrer an

die Schulen, deren hauptsächliche Aufgabe es war, Disziplin einzuprügeln.

Ballstädt muß sehr bald zwei Schulen gehabt haben. In den Kirchenbüchern,

die bis 1593 zurückreichen, werden Kantoren und Organisten erwähnt.

Die an der Kirchentür am Emporenaufgang angebrachte Tafel von 1696 enthält

die Namen eines Kantoristen und eines Organisten. Auch in der Urkunde des Kirchturmknopfes

von 1743 werden eine Oberschule und eine Unterschule genannt. Die Schulgebäude wurden früher stets in unmittelbarer Nähe der Kirche erbaut. Das erste und älteste Schulhaus war das Haus Nr. 11 (heute RITTERGASSE 24, Ines Hollasch).

 

Die Bauart läßt auf ein hohes Alter des Hauses schließen. Es hat die Stürme des 30jährigen Krieges und viele Brände überstanden. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts diente es als Oberschule (Klasse 5-8). Bis 1863 war es Knabenschule und bis 1871 war in ihm die Unterschule (Klasse 1-4) untergebracht. Noch bis zum Jahre 1898 diente es als Wohnung des damaligen

zweiten Lehrers Albert Schwabe (1. Lehrer war Herr Gramann). Die zweite Schule befand sich im Haus Nr. 4 (heute RITTERGASSE 3, Fam. Florschütz). Von 1830 bis 1843 war dieses Haus Mädchenschule.

 

Da die Zahl der Schüler stieg, musste man Umschau nach einem neuen Gebäude halten und fand es im Haus Nr. 130 (heute HAUPTSTRASSE 5, Fam. Stüber). Der Besitzer Michael Vogt bekam für das Gebäude 800 Taler und noch weitere 400 Taler mussten für den Umbau und die Einrichtung bezahlt werden. Das zum Grundstück gehörige Stallgebäude wurde abgebrochen und

auf dem Areal der Gemeindeschenke wieder aufgebaut. In diese Schule wurde 1843 die Mädchenschule verlegt. Sie blieb dort bis 1863.

Durch das neue Gothaische Schulgesetz von 1863 erfolgte eine Neueinteilung der Klassen und zwar 1.-3. Klasse und 4.-8. Klasse.

Nun aber waren die Klassenräume durch die Neuordnung zu klein und entsprachen nicht mehr den modernen Bildungsanforderungen. So mußte man 1873/1874 in der STUBENGASSE (heute SCHULSTRASSE 2, Eingang zur Spar- Verkaufsstelle) einen neuen Schulsaal bauen. Der Bauplatz dafür wurde für 10 Taler vom Eigentümer des GÜTCHENS, Mühlenbesitzer L. Breithaupt, erworben.

Am 18. Oktober 1874 erfolgte die Einweihung. Die Kosten des Schulneubaus wurden aus dem Erlös der 1872 veräußerten Gemeindeschenke gedeckt.

Aber schon 1894 machte sich ein weiterer Neubau erforderlich, da die Bedingungen im Haus Nr. 130 nicht mehr den schulischen Anforderungen der Neuzeit entsprachen. Ebenso kritisch stand es um den Zustand der zwei Lehrerwohnungen. Man entschied sich für einen großzügigen Neubau. 3 Bauplätze wurden anfangs in Erwägung gezogen. Ein Neubau auf dem Anger, ein weiterer im

Garten von Familie Helmut Topf (hinter dem Kulturhaus) und ein dritter am HOCHHEIMER WEG. Da diese Bauplätze aber zu weit weg vom Schulsaal in der Schulstraße 2 lagen, entschied man sich, einen Neubau neben dem Schulsaal zu errichten.

 

Am 10.03.1897 wurde das Grundstück für 1.542 Mark von R. Breithaupt, der Besitzerin des GÜTCHENS, gekauft.

Am 7.04.1897 erfolgte die Grundsteinlegung, im Frühjahr 1898 setzte man den Innenausbau fort und am 26.06.1898 wurde das neue 

Schulgebäude eingeweiht.

Die Kosten beliefen sich auf 38.000 Mark.

Die beiden alten Schulgrundstücke wurden versteigert. Das Haus Nr. 11 erwarb Huldreich Eisenhardt für 2.140 Mark und 60 Liter Bier, das Haus Nr. 130 ersteigerte Robert Güntherodt (Großvater von Elfriede Stüber) für 6.370 Mark und 140 Liter Bier.

 

Mit dem Schulneubau in der SCHULSTRASSE begann auch ein neuer Abschnitt in der Schulgeschichte des Dorfes, da die Verwaltung der Schule direkt in die Verantwortung der Gemeinde überging. Die finanzielle Mitverantwortung der Kirche gab diese durch eine einmalige Zahlung von 6.000 Mark ab.

 

Nach Einweihung der Schule begann eine friedliche Periode im Schulwesen unserer Gemeinde. Aber auch hier erwiesen sich die neuen Klassenräume als zu klein in Bezug auf die stetig steigende Schülerzahl (1912, 154 Schüler).

Drei Lehrer unterrichteten von früh 7 Uhr bzw. 8 Uhr bis 16 Uhr in zwei Klassenräumen je vier Klassen. In den Wintermonaten wurde nun die Beleuchtung zu einem Problem. Petroleumlampen erhellten nur notdürftig die Klassenräume und stellten darüber hinaus eine nicht unwesentliche Brandgefahr dar. Als Ballstädt 1913 an das elektrische Leitungsnetz angeschlossen wurde, bekam auch die Schule elektrische Beleuchtung.

 

1926 wurde an der Nordseite des Schulsaales ein kleiner Nebenraum mit Flur und Treppe gebaut. Dadurch konnten nun gleichzeitig 3 Lehrer unterrichten.

1936 baute man dann den Torweg zwischen Schulsaal und neuer Schule zu, so dass ein in sich geschlossener Bau entstand, wie wir ihn heute noch vorfinden.

Als 1914 bis 1918 der erste Weltkrieg tobte, hatte auch die Schule ehemalige Schüler als gefallene Soldaten zu beklagen. Erst wenige Jahre zuvor hatten sie die Schule verlassen, und nun mussten sie ihre Gesundheit oder ihr Leben auf dem “Feld der Ehre” hergeben.

 

Eine völlig neue Situation entstand, als 1933 die Nationalsozialisten die Macht übernahmen. Ab sofort fand deren Gedankengut Eingang in den Unterricht mit dem Hauptziel, die Jugend wieder für den Krieg zu begeistern. Die Lehrer mussten der NSDAP beitreten, sonst verloren sie ihren Arbeitsplatz.

Auch in den Jahren des 2. Weltkrieges verloren viele ehemalige Schüler ihr Leben. Auf alten Klassenfotos fehlen oft bis zu 50% der Jungen. Die Gedenktafel vor der Kirche gibt darüber traurige Auskunft.

Im Jahre 1945 stand ganz Deutschland in der „Stunde Null“ seiner Geschichte. Auch für die Schule gab es schier unlösbare Probleme. Es fehlte an Lehrern. Viele wurden entlassen, da sie der NSDAP angehörten. Die eingestellten Neulehrer besaßen noch nicht die nötige Erfahrung und Qualifikation. Besonders prekär wurde die Situation durch die Flüchtlingskinder aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Nicht selten bildeten 60 Schüler eine Klasse, die dicht gedrängt hungernd und frierend ohne Lehr- und Lernmittel in den Bänken saßen. Als im Juni 1945 die sowjetischen Besatzungstruppen auf dem Gebiet der späteren DDR die Verwaltung in die Hände nahmen, begann die Periode der kommunistischen Erziehung der Schuljugend, die bis November 1989 andauern sollte.

 

Das Schulwesen von 1945 bis 1960

Die Aufzeichnungen aus den ersten Nachkriegsjahren verdanken wir dem Lehrer Herbert Kowalczyk, der von 1946 bis 1948 Lehrer in Ballstädt war und dem langjährigen Lehrer Curt Winkler, der diese und weitere Aufzeichnungen in einer Schulchronik zusammenfasste. Beide Chronisten berichten über diese schweren Nachkriegsjahre.

Am 1.10.1945 wurde der Unterricht nach siebenmonatiger Unterbrechung wieder eröffnet. Erste und alleinige Lehrerin war Gerda Condt. Ab Juni 1946 trat das neue Schulgesetz in der sowjetischen Besatzungszone in Kraft, so dass der Schulbetrieb in geregelte Bahnen gelenkt wurde. Frau Condt wurde nach Gotha versetzt. Das neue Lehrerkollegium bestand dann aus: Herrn Kowalczyk, Herrn Mönch und Frau Lohrmann (Gonschorek).

Ab Dezember 1946 übernahm Gustav Gonschorek die Schulleitung. Als neues Unterrichtsfach wurde Russisch eingeführt, das aber aus Mangel an geeigneten Fachlehrern nur recht und schlecht unterrichtet werden konnte. Im Schulhaus wohnten zu dieser Zeit: Im Erdgeschoß die Lehrerin Frau Danz, Familie Jerke und der Zahnarzt Dr. Hildenbeutel, im ersten Stock Herr Mönch,

Herr Schmiedl und Familie Zich. Die Familien Zich und Jerke bekamen wenig später andere Wohnungen zugewiesen, da sie nicht zur Schule gehörten.

 

Am 7.10.1949 wurde die DDR gegründet. Damit übernahmen deutsche Behörden das Schulwesen. Neue Lehrbücher, Lehrpläne und eine intensive gesellschaftliche Einflussnahme

im kommunistischen Sinne begann. So bestimmten die SED-Parteigruppen das politische Geschehen an den Schulen und in zunehmender Zahl waren Schulleiter und Direktoren nur noch SED-Mitglieder. Nichtmitglieder von Parteien mussten an den sogenannten Parteilehrjahren teilnehmen, in denen sie die politischen Programme und Ziele der SED vermittelt bekamen, um

sie an die Schüler weiterzugeben.

Die Gründung der Kinder- und Jugendorganisationen “Pionierorganisation Ernst Thälmann” 1948 und “Freie Deutsche Jugend” 1946 dienten ebenfalls der Einflussnahme des Staates auf die  Jugend.

 

Als Gegenstück zu den Konfirmationen wurde ab 1953 die Jugendweihe eröffnet. Überall auf dem Gebiet der DDR fanden Jugendweihefeiern für die Schüler der 8. Klasse am Ende eines Schuljahres statt. In feierlicher Form wurden diese Schüler symbolisch in die Reihen der Erwachsenen aufgenommen.

Diese Weihefeiern gründeten sich auf eine alte Tradition der Arbeiterschaft aus den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts. Mit großem Aufwand feierte man sie in den Familien, damals und heute.

Die hohe Schülerzahl in den Nachkriegsjahren führte zu einer erdrückenden Enge in den Klassenräumen. So war man in der Gemeinde froh, als der Pächter der GEMEINDESCHENKE, Karl Both, 1952 eine Gaststätte in Schönstedt übernahm. Dadurch konnte ein Schenkraum als behelfsmäßiger Klassenraum eingerichtet werden. Das bedeutete, dass fast der ganze Nachmittagsunterricht wegfiel.

 

Aber der Schulraum in der GEMEINDESCHENKE war nur eine Notlösung. So entstand 1958 der Gedanke, in einer alten Scheune einen Schulraum einzurichten.

Mit tatkräftiger Unterstützung durch den Rat der Gemeinde und vieler Eltern konnte am  ASCHARAER WEG am 5. und 6. September 1959 mit einem großen Dorffest der Schulraum mit zwei kleinen Nebenräumen eingeweiht werden. Bis 1979 wurde darin unterrichtet. Heute ist dort die Praxis der Ärztin Elke Vogt.

 

Die Gründung des Oberschulkombinates im Jahre 1960

Mitte der fünfziger Jahre machten Wissenschaft und Technik in der ganzen Welt gewaltige Fortschritte. Auf allen Gebieten des täglichen Lebens war ein höheres Wissen aller Menschen höchst notwendig. Dieser gewaltige Wissenszuwachs musste durch eine höhere allgemeine Schulbildung vermittelt werden. Daher gab es in den fünfziger Jahren auch in der DDR Bestrebungen, den Unterricht über das achte Schuljahr hinaus zu führen. So beschloss die damalige DDR-Regierung, ab 1965 die 10klassige allgemeinbildende polytechnische

Oberschule einzuführen. Erst mit Abschuss der 10. Klasse konnten die Schüler einen Beruf erlernen. Nur bei grobem Leistungsversagen wurden einige wenige Schüler aus der 8. Klasse entlassen. Schon ab 1959 kamen täglich 32 Schüler mit dem Bus aus Westhausen nach Ballstädt. So lag es aus finanziellen Gründen sehr nahe, drei Orte zu einer Schule mit drei Teilschulen

(Ballstädt, Hochheim, Westhausen) unter Leitung eines Schuldirektors zusammenzufassen.

Ab dem Schuljahr 1960 wurden 290 Schüler im Oberschulkombinat Westhausen (Sitz des Schuldirektors) unterrichtet. Von 1960 bis zur Auflösung des Schulkombinats 1979 war Oberlehrer Hans-Joachim Homann Leiter dieses Schulbereiches. In Hochheim wurden die Klassen 1-4 und 7-8 unterrichtet, in Westhausen die Klassen 1-4 und in Ballstädt die Klassen 1-4 und 5-6. Den kleineren Schülern der Klassen 1-4 wollte man die täglichen Fahrten mit dem

Schulbus ersparen. Sie wurden in ihren Heimatorten unterrichtet. Die Schüler der Klassen 5-8 fuhren in die o.g. Schulorte. Geburtenstarke Jahrgänge und die schulische Zusammenlegung der Orte führten zu einem prekären Raumproblem, besonders in Hochheim und Westhausen. In oft provisorischen Räumen wurden die Schüler unterrichtet. So kam es, dass es zwar eine 10jährige

Schulpflicht gab, aber die Schüler der Klassenstufen 9 und 10 in der Lutherschule in Gotha unterrichtet werden mussten. Erst mit dem Bau neuer Schulräume in Westhausen und Hochheim und einer erneuten Klassenverteilung konnten ab 01.09.1973 die Schüler aller Klassenstufen im Oberschulkombinat Westhausen unterrichtet werden. Die Klassen 1-4 wurden in Westhausen, die

Klassen 5-6 in Hochheim und die Klassen 7-10 in Ballstädt unterrichtet. 1974 konnte auch in Westhausen ein Schulhort eingerichtet werden, der die Schüler der Klassen 1-4 an den Nachmittagen betreute.

Sehr kostenaufwendig waren die Schulbusse, die täglich dreimal die Schulorte anfuhren (1 x morgens und 2 x mittags). Schüler haben ausgerechnet, dass die Busse im Laufe des Schuljahres ca. 36.000 km zurücklegten. Zur weiteren Verbesserung des Wissens der Schüler wurde auch ab 1960 der polytechnische Unterricht eingeführt. Er hatte handwerkliche Fähigkeiten zu vermitteln

und Einblicke in den Produktionsprozess zu gewähren. In einer kleinen Werkstatt in der LPG Westhausen und in Gothaer Betrieben wurden Grundkenntnisse in der Metallbearbeitung, in der Landwirtschaft und im technischen Zeichnen erworben. Dieser Unterricht galt für die Schüler der Klassenstufe 7-10 und wurde einmal wöchentlich durchgeführt. 

Durch eine gute Unterstützung des Rates der Gemeinde Ballstädt (Bürgermeister Josef Krämer)

konnte der große Klassenraum in ein Physik-Chemie-Kabinett umgebaut werden.

Wasser- und Gasanschlüsse an jedem Schülerplatz (Fachkabinett), sowie eine sehr gute Grundausstattung mit chemischen und physikalischen Lehrmitteln (insbesondere Klassensätzen für Schülerexperimente), die der in den Stadtschulen vorhandenen nicht nachstand, machten nun einen praxisnahen Unterricht möglich. 

 

Auf dem ANGER in Ballstädt konnte 1964 unter Mithilfe vieler Eltern eine Baracke errichtet werden, in der bis 1979 der Werkunterricht für die Schüler der Klassen 5-6 erteilt wurde. Dort entstand auch eine Kleinsportanlage, die den Sportunterricht in den Sommermonaten wesentlich verbesserte. Mit der Gründung der Sportgemeinschaft “Traktor Ballstädt” 1968 entstanden eine

Schülerfußballmannschaft und eine Mädchenhandballmannschaft, die im Kreis Gotha bald einen guten Namen hatten.

 

Auch am Schulort Hochheim wurde in der dortigen Sportgemeinschaft der Schülerhandball

gefördert. Der Sportunterricht in den Wintermonaten war problematisch, weil nur der Sportsaal in Hochheim nutzbar war. Die Schüler mussten also mit dem Bus nach Hochheim fahren. Aber der Wintersport am WEINBERG in Ballstädt kam dabei nicht zu kurz.

Wie schon mehrfach erwähnt, waren überall in der DDR die ländlichen Schulorte den stetig wachsenden Ansprüchen an das Schulniveau nicht mehr gewachsen. Es kam zu zahlreichen Schulneubauten, die noch mehr Schüler, oft bis zu 700, aus vielen Dörfern im Umkreis von 10 km zusammenfassten.

Auch im Nordteil des Kreises Gotha gab es solche Pläne. Daher erfolgte im Spätsommer 1978 der erste Spatenstich zum Bau einer zentral gelegenen Schule in Warza. Am 01. September 1979 wurde diese Schule unter Leitung des Direktors Hans-Joachim Homann ihrer Bestimmung übergeben. Aus den Landgemeinden Ballstädt, Bufleben, Hausen, Hochheim, Pfullendorf, Remstädt, Warza und Westhausen kamen nunmehr ca. 700 Schüler zum Unterricht.

Mit dem Bau dieser Schule ging eine jahrhundertealte schulische Tradition

in den Dörfern zu Ende. Ab dem 01.09.1979 gab es in Ballstädt keine Schule mehr. Die Schulräume konnten anderweitig genutzt werden.

 

Alte, überlieferte Sitten und Gebräuche der Schulkinder 

Einige Sitten und Gebräuche der Schulkinder sollen hier kurz erwähnt werden. Leider sind diese Sitten und Gebräuche von den modernen Lebensformen überholt worden und sind heute nur noch im Gedächtnis alter Menschen vorhanden.

Da war zuerst die Sitte des Neujahrssingens vor den Häusern der Einwohner. Die Kinder bekamen verschiedene Gaben, aber auch Geld. Später fanden dann nur noch Sammlungen von Haus zu Haus statt. Die Gaben wurden an alle Kinder gleichmäßig verteilt. Ab etwa 1932/33 ging diese Sitte verloren.

Ein weiterer alter Brauch war das Ballwerfen zu Ostern. Die im Laufe des vergangenen Schuljahres (Ostern war Schuljahresende) verheirateten Ehepaare stifteten für die Kinder Bälle. Die Kinder zogen vor die Häuser dieser Jungvermählten. Aus Tragkörben wurden aus den oberen Fenstern des jeweiligen Hauses Bälle unter die Kinder geworfen. Diese Bälle eigneten sich für allerhand Kinderspiele. Sie bestanden meist aus Holzwolle umgeben von einem Gewebe. Durch steigende Kosten und den 1. Weltkrieg ging dieser Brauch völlig verloren.

Auch der Brauch, dass Schulkinder am Hochzeitstage eines jungen Paares am Backhaus erscheinen konnten, um Hochzeitskuchen in Empfang zu nehmen, ist ausgestorben. Später bis etwa 1912 spendeten die Brautpaare aber auch Bleistifte, Hefte und Schieferstifte. Ein Ehepaar spendete sogar einmal Geld für eine Klassenfahrt. Ebenso bekamen die Lehrer ab 1863 keine

“Gründonnerstagseier” mehr (früher ein Teil der Naturalbesoldung). Ab 1863 wurde an Stelle der Naturalien Geld gezahlt.

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