Wetterfahne auf Feuerwehr Ballstädt
Die Wetterfahne von St.Petri Ballstädt
Lutz Allstedt
Nach den Wirren und dem Ende des 30-jährigen Krieges 1648, der auch Ballstädt sehr zugesetzt hatte, begann der teilweise Wiederaufbau des Ortes. Das heutige Gelände rund um die Kirche wurde neu gestaltet. Das Innere der Kirche, erbaut 1497, erfuhr nach 200 Jahren 1696 einen totalen Umbau. Das Pfarrhaus und auch das Pfarr-Schulhaus wurden 1703 neu errichte. Der Turm wurde vom mittelalterlichen Wehrturm zur heutigen Gestalt umgebaut. Neue Glocken wurden gegossen. Die kleine Schlagglocke – gegossen 1723 - in der halben Höhe des Turmes stammt noch aus dieser Zeit, wie eine alte handschriftliche Aufzeichnung vom 31.5.1743 berichtet. Das Original befindet sich im Pfarrarchiv.
Der Abschluss der Arbeiten am Turm 1743 bestand in der Anbringung einer neuen Wetterfahne. Die Inschrift lautete „B.St. 1743“ - Ballstädt Sanctum 1743.
Diese alte Wetterfahne verblieb 114 Jahre bis zur großen Reparatur des Turmes nach einem Sturm 1857 auf der Spitze des neuen Kirchturms. Die heute dort sichtbare zweite Wetterfahne mit den Windrichtungsanzeigen und ein neuer kupferner Turmknopf mit einem Durchmesser von 75 cm wurden 1857 aufgesetzt. Beides wurde ausschließlich von Einwohnern der Gemeinde finanziert.
Die alte Wetterfahne von 1743 kam vermutlich schon 1857 auf die Schenke, ein vierstufiger Fachwerkbau von 1678. Zur damaligen Zeit war sie noch in Gemeindebesitz, wie der Kirchturm auch, und lag direkt an der alten Verlaufslinie der Durchfahrt. Allerdings verkaufte die Gemeinde 1872 die Gemeinde-Schenke an den Wirt Valentin Köllner, der sie in „Gasthof zum Adler“ umbenannte. Aus dem Erlös wurde das erste Schulhaus nach der Separation, die spät in Ballstädt stattfand, finanziert. 1904 erwarb der Gastwirt Ernst Kerst die Schenke.
Ernst Kerst baute 1906 bis 1907 einen neuen Schenksaal an das alte Gebäude so an, dass er direkt am nun neuen Verlauf der Hauptstraße (Verlauf seit ca. 1880 wie noch heute) lag. Der Saal war für die damalige Zeit modern ausgestattet, u.a. mit direktem Notausgang auf der Ostseite. In der südlichen Dachseite der Schenke und am westlichen Giebel waren seine Initialen E.K. farbig in Ziegeln ausgelegt - von weitem sichtbar bei der Anfahrt von beiden Seiten der Hauptstraße, genau wie die Wetterfahne, denn auch die Wetterfahne von 1743 kam wieder auf das neue, nun höhere Dach. In die Wetterfahne wurde das Kürzel E.K. für Ernst Kerst eingeschnitten.
1936 war der Wirt Alwin Kerst (Sohn von Ernst Kerst) zahlungsunfähig, und die Gemeinde erwarb das Grundstück aus der Konkursmasse zurück. 1941 wurden die großen Fenster an der Südseite vergittert (Unterbringung von Kriegsgefangenen), und das Dach wurde umgedeckt. Damit wurden auch die Initialen E.K. im südlichen Dach entfernt. Die Wetterfahne erfuhr eine weitere Umgestaltung. Die Initialen E.K. in der linken Seite der Wetterfahne wurden ausgestanzt, daher auch die Lücke links oben. Weiterhin wurde das Jahr der Erbauung der Schenke 1678 in der rechten oberen Ecke der Fahne angebracht. In der unteren rechten Ecke kam das Jahr 1941 dazu, denn dieses Jahr galt damals als ein wichtiges Kriegsjahr (Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Russland). Vor die Jahreszahl wurde das heraldische Symbol des siegreichen Krieges gesetzt: zwei nach oben gekreuzte Schwerter. Links davon war ein auf der Spitze stehendes Hakenkreuz eingestanzt, welches 1945 nach dem Einmarsch der Amerikaner am 3.4.1945 ausgestanzt wurde. Daher die weitere Lücke links unten.
Das Wetterfahnenblatt war etwa im Jahre 1972 durch einen Sturm bzw. den Rost zerfallen. Der Stab und das Quergestänge blieben noch bis zum Abriss der Schenke im Jahr 1977 auf dem Dach neben der Sirene, die in den 1960er Jahren direkt neben der Wetterfahne hoch auf dem First montiert worden war.
Dem Bürgermeister Horst Möller ist es zu verdanken, dass die Fahne bzw. der klägliche Rest davon über 40 Jahre in seiner Scheune lagerte und nicht auf dem Schrott landete. In der Chronik von 1997, zum Dorfjubliäum gedruckt, steht zwar auf Seite 159, dass sie unauffindbar sei. Aber sie fand sich doch.
Ca. 2013 übergab sie Diethardt Möller, der Sohn von Horst Möller, an die Gemeinde. Sie lagerte im Blechschuppen auf dem Parkplatz. Dort entdeckte ich sie und nahm mich ihrer in Abstimmung mit der Gemeinde an. Das Wetterblatt war nur zu 55 Prozent erhalten. Der Rest schien von Blitzeinschlägen geschädigt zu sein. Alte Fotos, auf denen die Wetterfahne im Hintergrund klein zu erkennen war, vergrößerte ich und erstellte ein 1:1 Papp-Modell. Anhand dieser Vorlage konnte ich alles rekonstruieren. Zahlreiche Bürger, u.a. Gunther Topf und Peter Schmidt, halfen bei dieser Aufgabe mit. Abschließend wurde die rekonstruierte Wetterfahne mit einem Schutzüberzug versehen. Anfallende Kosten wurden durch die Gemeinde erstattet und über den BTV verrechnet.
Im Rahmen des Heufestes wurde sie am 1.7.2016 auf das Dach der neuen Feuerwehr aufgesetzt. Nun ziert sie das Dach des alten Breithaupthofes, der heute die Feuerwehr beherbergt, südlich ihrer beiden alten Standorte Kirchturm und Gemeindeschenke. Möge sie allen Ballstädter Bürgerinnen und Bürgern auch nach 280 Jahren zuverlässig die Windrichtung anzeigen und noch lange Jahre dort ihren Dienst tun.








