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Quellen und historische Brunnen in Ballstädt

Die Quellen und die Oberschwemme

Horst Dünkel

 

Recht ausführlich wird dazu schon in der „Chronik von Ballstädt 822 – 1997“ berichtet. Die Quellen der Unterschwemme vereinigen sich mit dem Seltengraben (Seltenbach). Von dort fließt der Seltengraben bis zum Wehr und vereinigt sich dort mit dem Wasser der Rinnbornquelle und dem Wasser des Erdfallgrabens. Ab der Brücke Im Wehr [1] heißt der Bach Tonna. 

Mit diesem Beitrag soll ein Blick auf die Quellen des Ortes aus heutiger Sicht geworfen werden.

 

Seit mehreren Jahren schon hat die Oberschwemme keinen Zufluss durch die Rinnborn-Quelle mehr (der „Stock“ läuft nicht mehr – siehe unten). Was die Ursachen dafür sind, und wie man versucht, den Wasserfluss wieder zu ermöglichen, wird im Beitrag Gemeindeimmobilien erklärt.

 

Historische Brunnen

Hannelore Golombeck

 

Bevor unser Dorf an das zentrale Trinkwassernetz angeschlossen wurde, hatten viele Grundstücke ihren eigenen Brunnen und zum Teil auch schon daran angeschlossene Hauswasserversorgungen. Dennoch gab es bis dahin seit jeher noch öffentliche Brunnen. In diesem Beitrag wollen wir einen kleinen Spaziergang durch den Ort unternehmen und Halt machen an den Stellen, an denen sich diese öffentlichen Brunnen befanden. 

 

Beginnen wir an den Brunnen, die vom Rinnborn gespeist wurden.

Das war zunächst der Laufbrunnen vor dem Haus in der Pfaffenhöfer Straße Nr. 6. Das Haus wurde abgerissen, und auch der Brunnen existiert dort nicht mehr.

 

Der zweite war der Laufbrunnen an der Oberschwemme, genannt der „Stock“ (siehe oben).

Der Dritte befand sich vor dem Grundstück in der Krummen Gasse 10. Das war kein Laufbrunnen, denn man konnte ihn an- und abstellen. Gleichzeitig gab es dort eine Zapfstelle für die Feuerwehr, die u.a. auch zum Füllen von Wasserfässern für die Versorgung der Tiere auf den Weiden genutzt wurde. 

Im Dorf war man der Meinung, dass das Wasser vom Rinnborn das beste Wasser im Ort sei. Daher holten manche auch trotz eigener Hauswasserversorgung das Wasser zum Trinken von einem dieser Brunnen.

 

In der Hohle gab es zwei öffentliche Brunnen. Einer gegenüber der Hohle 1 und der andere vor dem Haus in der Hohle 13A. Leider sind sie nicht mehr funktionstüchtig.

 

Gehen wir weiter bis zum unteren Ende der Hohle, dann kommen wir zu einem weiteren Brunnen.

 

An der Unterschwemme befand sich ein Brunnen, der sein Wasser aus einer Quelle bezog, die direkt unter ihm lag. Man musste ihn „angießen“, damit man das Wasser nach oben pumpen konnte. Daher holten die Anwohner in der Regel das Wasser gleich aus der Quelle und trugen es die Treppe hoch. Interessant ist noch zu wissen, dass sich in ganz frühen Zeiten in der Mitte der Wand der Unterschwemme (zur Straße hin) eine Treppe befand, die zu einer anderen Quelle der Unterschwemme führte, und von der man damals Wasser holte. Diese Treppe befand sich links der Aussparung, die man heute noch sehen kann. 

 

Dem nächsten Brunnen wären wir auf dem Anger begegnet, zwischen Anger 6 und 7. Auch am Ballstädter Bahnhof befand sich in dem kleinen Wäldchen einst ein öffentlicher Brunnen. In der Rittergasse konnte man lediglich an einem Brunnen hinter der Kirche (vor Rittergasse 7) Wasser holen. Diese drei Brunnen existieren nicht mehr.

 

Auf dem heutigen Mielener Platz vor der Ballstädter Hauptstraße 6 kann man noch einen – heute nicht mehr funktionstüchtigen – Brunnen bewundern. 

 

Im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms wurden die heute noch sichtbaren, aber nicht mehr funktionstüchtigen Brunnen im Dorf äußerlich restauriert, erinnern an vergangene Zeiten und verschönern das Dorfbild. 

 

Begriffserklärung

[1] Die heutige Bezeichnung „Im Wehr“ für das Gebiet um den Zusammenfluss der beiden Hauptquellbäche der Tonna kommt daher, dass sich bis 1947, als es ein zerstörerisches Hochwasser gab, dort tatsächlich das Wehr für den Mühlgraben der Obermühle befand. Seit diesem Hochwasser ist das Wehr nicht wieder errichtet worden, da die Obermühle inzwischen elektrisch betrieben wurde, und die Wasserräder bereits seit 1929 nicht mehr in Betrieb waren. Der Spaziergänger, der vom Mühlenweg zum Wehr geht, läuft auf dem aufgeschütteten Mühlgraben. 

 

 

DIE GEWÄSSER IN UND UM BALLSTÄDT

 

Das Vorhandensein von Wasser war von jeher eine Grundvoraussetzung für das Entstehen einer Siedlung. So fanden die ersten Siedler von BALDERSTETE an der UNTERSCHWEMME, entlang der TONNA und des SELTENGRABENS günstige Bedingungen für sich und ihr Vieh.

Die wichtigste Quelle in der Gemarkung Ballstädt ist die TONNAQUELLE.

Als solche ist die Quelle in der PFAFFENHÖFER STRASSE, also der RINNBORNanzusehen.

Die WEHRQUELLE und die Quelle am BREITENBORN (heute UNTERSCHWEMME), sowie das Wasser des Seltengrabens verstärkten das Tonnawasser derart, daß der Fluß die nördlich des Dorfes gelegenen vier Mühlen betreiben konnte (OBER-, MITTEL-, UNTERMÜHLE und ÖLMÜHLE).

Der bekannte Gothaer Gymnasialprofessor Galetti schrieb über den Ursprung

der TONNA:

“Das vornehmste Flüßchen in der Herrschaft Tonna ist die Thunna oder Tonna, welche in dem Dorfe Ballstedt entspringt, Burgtonna unter dem Namen ' Ballstedter Wasser' durchfließt, bey Gräfentonna durch eine Menge kleiner Bäche und Quellen immer stärker anwächst und bey Nägelstedt sich endlich in die Unstrut ergießt. Ihre Ufer begränzen die schönsten Wiesen und Triften, und ihr Lauf erstreckt sich auf 4 Stunden in der Krümme herum. Mit derselben

vereinigt sich bei Gräfentonna der eckardsleber Bach, nachdem er bei der Stelle des ehemaligen Dorfes Reifenheim durch den ascharaischen verstärkt worden ist”.

 

Der SELTENBACH, im Volksmund die SELLEN genannt, entspringt in der Hochheimer Flur aus dem HAUTHALER BRUNNEN. HAUTHAL war ein Dorf, das im 30jährigen Krieg völlig vernichtet wurde. Heute nennt man diese Flur oft das HODEL. Der Lauf dieses Baches führte in Windungen nach Ballstädt. Bei der Grundstückszusammenlegung (Separation) 1871 ist dem Bach ein teilweise

gerader Lauf gegeben worden. Westlich des Eisenbahndammes hat man das Bachbett auf einen kiesigen Untergrund gelegt, so daß viel Wasser schon dort versickert und Ballstädt nur in sehr wasserreichen Jahren erreicht.

 

Hochwasser führte der Bach 1947, als durch einen plötzlichen Wärmeeinbruch im Frühjahr der Schnee schmolz. Die SELLEN führte so viel Wasser, dass die UNTERSCHWEMME überlief und die angrenzenden Grundstücke unter Wasser standen. Ebenfalls viel Wasser lief durch die WESTHÄUSER STRASSE und den HOCHHEIMERWEG in das Dorf hinein. Die Wassermassen ergossen sich durch die PFAFFENHÖFER STRASSE, durch das Grundstück von Gerhard Topf bis hin zur WEHRQUELLE. Das Wasser riß alles mit sich und zerstörte das WEHR unterhalb der WEHRQUELLE.

Die UNTERSCHWEMME, früher auch BREITENBORN genannt, ist als der älteste Teil des Dorfes anzusehen. Hier standen sehr wahrscheinlich die Hütten der ersten Siedler. Nach seinem nächsten Anlieger wurde die UNTERSCHWEMME auch OSCHMANNQUELLE genannt. Hier befand sich bis 1912 eine Schöpfstelle.

Im Sommer 1912 wurde die östliche Mauer der SCHWEMME erneuert und gleichzeitig wurde die SCHWEMME ausgebaggert, was zu einer Senkung des Wasserspiegels in den Hausbrunnen der SCHULSTRASSE führte. Durch eine Tiefenbohrung des Schulbrunnens konnte dem Wassermangel abgeholfen werden.

1976 erfolgte eine weitere Reinigung der UNTERSCHWEMME. Die Schlammmassen brachte man in den hinteren Teil des STEINGRABENS.

 

Die OBERSCHWEMME wurde, nach dem verheerenden Brand von 1813, in den Jahren 1816-1817 anstelle von drei abgebrannten Höfen erbaut. Das Wasser wurde mittels Holzröhren vom RINNBORN zur SCHWEMME geleitet.

Die SCHWEMMEnach dem Bau mit Linden, Eschen und Fichten umpflanzt, wurde bald eine Zierde des Ortes. Nicht selten waren auch Fische in dem klaren, kühlen Wasser. Leider wurden die Holzröhren immer öfter undicht, so daß 1887 eiserne Röhren verlegt werden mußten. Diese Röhren verliefen über den unteren HIPPELSBERG durch die KRUMME GASSE zur SCHWEMME. Dadurch erhielt der HIPPELSBERG einen Laufbrunnen und die KRUMME GASSE eine Zapfstelle.

Aus der SCHWEMME fließt das überschüssige Wasser wieder in die TONNA zurück. Mehrere Anlieger nutzten das überschüssige Wasser für die Viehtränke oder als Eigenbedarf, indem die Abflußleitung angezapft wurde. 

Die obere SCHWEMME ist in den Jahren 1958 und 1969 gründlich gereinigt worden und

war auch bis 1967 von einem Zaun umgeben, der aber mutwillig zerstört

wurde.

 

Eine völlige Neueinfassung und Grundierung erfolgte 1992, da trotz Wasserzulaufs das Wasser versickerte und die Schwemme zeitweilig ohne Wasser war. Bei einem Brand hätte das fatale Folgen haben können.

 

Erinnert sei noch daran, dass auf dem Eis der SCHWEMME gern Eishockey gespielt wurde und nach dem Krieg die Lehrerin Frau Gonschoreck sogar versuchte, in den Sommermonaten, Schwimmunterricht zu erteilen.

 

Das RODEWASSER, oberhalb der ÖLMÜHLE fließend, erreicht nur noch in sehr niederschlagsreichen Jahren die TONNA.

Die ZIGEUNERQUELLE befindet sich, heute kaum noch sichtbar, am unteren Teil des STEINGRABENS umgeben von Bungalows. Ihr Name rührt wohl daher, dass hier einmal Zigeuner ihr Lager hatten.

Die BETTELMANNSQUELLE hinter der OBERMÜHLE spendet ebenfalls nur noch in regenreichen Jahren Wasser.

Noch immer aber spendet die Quelle im HUNGERBORN so viel Wasser, dass dieses die TONNA erreicht, wo hingegen die Quellen im ERDFALL fast vollständig versiegt sind.

Eine weitere Quelle befindet sich im Garten der Familie Dünkel (ehemalige OBERMÜHLE).

Bliebe noch die WEHRQUELLE, die einst so stark floss, dass sie den Wasserlauf der TONNA wesentlich verstärkte, was wiederum den Mühlen zu Gute kam. 1986 ist sie neu eingefasst worden.

Abschließend kann man sagen, dass die ersten Siedler in BALDESTETE ein gutes Gespür hatten, als sie so “dicht am Wasser“ bauten.

Am westlichen Teil des Weinberges sollte ein Schwimmbad gebaut werden.

Wegen der hohen Bau- und Wasserkosten und der Weltwirtschaftskrise 1929-

1934 wurde der Bau eingestellt.

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