Kulturhaus Ballstädt
Kulturhaus
Horst Dünkel
Auf das 1974/75 gebaute Kulturhaus wurde schon in der „Chronik von Ballstädt 822 -1997“ im Detail eingegangen (hier ist der dritte Beitrag gemeint).
Die erste Kirmes 1975 und viele andere Höhepunkte örtlicher und privater Art fanden dort statt. Am 7.5.85 wurde es auf den Namen „Fahnersche Höhe“getauft.
Nach der Wende, beginnend ab 1997, wurden die ersten Renovierungsarbeiten notwendig und möglich. Zuerst gab es neue Türen für den Haupteingang und den Großen Saal. Auch die Mitteltür wurde ersetzt. Ebenso wurden im unteren Eingangsbereich, also zu den Toiletten und den Wirtschafträumen, die Türen von Firma Fritz Schneegaß erneuert. Firma Scheu und Wirth aus Gotha baute die Sanitäranlage um, und Helmut Berndt aus Friemar flieste 1998 diesen Bereich.
In 2000 war dann die Küche mit neuen Bodenfliesen dran, und 2003 kamen neue Küchenmöbel und die Abluftanlage dazu. Eine neue Wasserver- und Entsorgung wurde installiert. 2004 stand eine neue Dacheindeckung an, denn die bisherige aus Asbestplatten entsprach nicht mehr den Bestimmungen. Firma Dachprofi Wandersleben erhielt den Auftrag, realisierte ihn und bemerkte dabei aber leider nicht, was sich im Herbst 2016 bei einer Begehung des Dachbodens herausstellte, auf das weiter unten näher eingegangen wird.
2005 wurde das 30-jährige Jubiläum mit einem Fest und einer Ausstellung gefeiert.
Auf dem Kleinen Saal ereignete sich am 9.2.2014 ein Überfall einer rechtsextremen Gruppe auf die Nachfeier der Kirmesgesellschaft (siehe gesonderter Beitrag). Dabei wurden der Kleine Saal und das Foyer erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Dank finanzieller Mittel aus einem Sonderfonds des Sozialministeriums konnten die Schäden zeitnah beseitigt werden und der Kleine Saal erhielt ein neues Gesicht.
Im Oktober 2016 fand die letzte Kirmes unter dem alten Dach statt. Kurz danach stellte ein Statiker im Auftrag der Stiftung „Komsolar“ (siehe gesonderter Beitrag) fest, dass es keine Großveranstaltungen mit Musik mehr aushält und erneuert oder saniert werden muss. Es sei einsturzgefährdet, wenn dort bei Großveranstaltungen hunderte Menschen zu Musik feiern und tanzen oder Konzertveranstaltungen gegeben werden. Das war ein großer Schock für das ganze Dorf.
Zunächst verfolgte der Bürgermeister noch im Dezember 2016 den Hinweis, dass auch eine Sanierung eventuell möglich sei. Die Zimmerei- und Dachdeckerfirma Schneegaß versuchte durch Versteifungen der Nagel-Dachbinder eine Verbesserung der Statik zu erreichen, um nicht das ganze Dach einreißen zu müssen.
Obwohl alle Bausachverständigen im privaten Gespräch einhellig der Meinung waren, dass die Haltbarkeit des Daches mit diesen Versteifungen gegeben sei, wollte kein Statiker dafür die Verantwortung übernehmen. Eine erneute Begehung und Begutachtung der ergriffenen Maßnahmen ergab dann also, dass nur ein Komplettabriss des Daches Abhilfe schafft. Nach Klärung der weiteren Vorgehensweise durch das Bauamt der VG und der Beantragung der Fördermittel durch den Bürgermeister erteilte die Gemeinde am 21.8.17 den Planungsauftrag an das Architekturbüro Angermann aus Ebeleben. Die Kirmes musste 2017 und 2018 ausfallen. Nur am 19.11.17 konnte noch einmal eine Veranstaltung, die Gemeinschaftsschau des RGZV (Rassegeflügelzuchtverein), als letzte vor dem Beginn der Sanierung auf dem Großen Saal unter Ausnahmeregelung „ohne Beschallung, ohne Musik, mit maximal 50 Personen im Raum“ gezeigt werden.
Ende April 2018 wurde das gesamte Mobiliar in einen Container und in die Bauhofhalle auf dem Parkplatz gebracht, und Anfang Mai begannen die Bauarbeiten mit dem Abriss des Daches durch die gleiche Firma, die bereits 2004 die Dacheindeckung ausgewechselt hatte...
Natürlich kam eins zum anderen, und am Ende musste nicht nur das Dach, sondern auch die Lüftung, die gesamte Elektrik und der Fußboden im Foyer und vor der Theke erneuert werden.
Anstatt der vorherigen Kassettendecke musste es nun eine Akustikdecke werden. Wegen aktueller Brandschutzbestimmungen war eine Hausalarmanlage zu installieren. Alle Fenster und Türen mussten wegen Brandschutzauflagen (Fluchtwege und Öffnungsmöglichkeiten) umgebaut werden. Eine für die Beheizung des Großen Saales wichtige Tür, die große Mitteltür an der Eingangstreppe, fiel den Unfallverhütungsvorschriften der Thüringer Unfallkasse zum Opfer. Sie musste ausgebaut werden.
Die Finanzierung dieser Baumaßnahme war nur dank der Förderung durch das Amt für Landwirtschaft und Flurneuordnung und die Staatskanzlei möglich, sodass bis auf die zusätzlichen Maßnahmen - den Einbau eines Behinderten-WC, der neuen Spiegelwand im Foyer, der Audio/Video-Anlage, den raumteilenden Vorhang auf dem Großen Saal, der neuen Bestuhlung und das Thekenmobiliar - keine weiteren Kosten entstanden.
Am 31.8.19 konnte der aufwendige Umbau mit einem großen Fest eröffnet werden.
Und so konnte, wie versprochen, im Oktober 2019 wieder ohne Einschränkungen und nach der Tradition tüchtig Kirmes gefeiert werden.
Die erste gemeinsame Veranstaltung aller Feuerwehren der Nessetalgemeinde fand mit der konstituierenden Sitzung zum Zusammenschluss am 28.10.19 auf dem Großen Saal statt.
Die Band „Carry On“ mit ihrem Leader Uwe Schmähling veranstaltete am 23.11.19 ihr erstes Rockkonzert nach der Wiedereröffnung. Gemeinsam mit einer Schülerband der KGS „Herzog-Ernst Schule“ sollte dieses der Beginn einer Konzertserie zweimal im Jahr werden. Doch bereits am nächsten Termin, dem 28.3.2020, kam die Corona-Pandemie dazwischen…
Und so warten diese schönen Säle in der größten Einrichtung dieser Art im Norden des Landkreises weiter auf eine angemessene Auslastung. Es ist erfreulich, dass sich im Laufe der Woche zumindest drei verschiedene Sportgruppen auf dem Saal trainieren.
Leider wurden die restlichen Mittel nicht - wie eigentlich geplant - für die Sanierung der Terrasse eingesetzt. Die Gemeinde Nessetal, zu der Ballstädt inzwischen gehörte, benötigte sie aufgrund von Steuerausfällen im Zusammenhang mit der Covid-19 Pandemie wesentlich dringender für die für 2021 geplante Abwassermaßnahme in der Pfaffenhöfer Straße.
Eine Konsumangestellte berichtet über acht erlebnisreiche Jahre im Kulturzentrum Ballstädt
Johanna Kilian
1982 übernahm ich die ehemalige Konsumgaststätte „Zum Braunen Ross“ gemeinsam mit meinem Ehemann Eckard. Angeschlossen war das Kulturhaus „Fahnersche Höhe“. Dieses Ensemble war das Kulturzentrum Ballstädt. Wir waren Angestellte der Konsumgenossenschaft Gotha, erhielten Gehalt und entsprechend des Umsatzes Umsatzprämien.
Mit Beginn unserer Tätigkeit übernahmen wir die Ausrichtung diverser Familienfeiern, Betriebsfeiern, Geflügelausstellungen, Vereinsfeiern, Feuerwehrausscheide, Jagdgesellschaftsfeiern und viele andere kulturelle Veranstaltungen.
Ein großes Highlight waren die jährlichen Veranstaltungen der Kirmse in Ballstädt, die sich über ein ganzes Wochenende hinzogen. Das ganze Dorf war bei uns zu Gast. Zur Bewältigung dieser enormen Arbeit halfen Pauschalkräfte, die vom Konsum bezahlt wurden.
Gulaschkanone und Bierfass zu bestimmten Anlässen waren ein Magnet für das ganze Dorf.
Zur Hubertusjagd, alljährlich im Spätherbst, waren Jäger und Gäste aus ganz Thüringen auf den Großen Saal geladen.
Leider ließ das Interesse an diesen Veranstaltungen nach der Wende schlagartig nach, sodass wir uns entschlossen, das Kulturzentrum Ende 1990 aufzugeben.
Stattdessen übernahm mein Mann 1991 die noch vorhandene Konsumverkaufsstelle, in der ich als Verkäuferin bis zu ihrer Auflösung am 1.6.1992 mitarbeitete.
Zum Abschluss noch ein Blick auf das Imbiss-Angebot aus den Zeiten, in denen man noch mit Mark (der DDR) bezahlte:
| Preis in M | Preis in M | ||
| Tasse Soljanka | 1,00 | Kännchen Kaffee komplett | 1,58 |
| Tasse Brühe mit Ei | 1,10 | Glas Bier (Pilsner) 0,25 l | 0,49 |
| Bockwurst mit Brötchen | 0,95 | Glas Faßbrause 0,25 l | 0,25 |
| Rostbrätel mit Brot u. Zwiebeln | 1,95 | 1 Schachtel „Club“ (Zigaretten) | 4,00 |
| Zigeunersteak mit Brot | 2,45 |
| |
| Hackepeter mit Brötchen | 1,80 |
| |
| Gebratene Leber mit Brot und Zwiebeln und gemischten Beilagen | 2,85 | ||
DER BAU DES KULTURHAUSES “ZUR FAHNERSCHEN HÖHE”
Im Jahre 1973 rief die Regierung der DDR die Bevölkerung auf, den 25. Jahrestag der DDR durch gute Taten vorzubereiten. Ein Motto dieses Aufrufs lautete: “Schöner unsere Städte und Gemeinden. Mach mit”!
Unter der Zusage, die Gemeinden finanziell und materiell zu unterstützen, beschloß der Rat der Gemeinde Ballstädt unter seinem damaligen Bürgermeister Joseph Krämer, ein neues Kulturhaus zu bauen, weil der Schenksaal nicht mehr nutzbar war. Eigens dazu wurde ein Baustab gegründet, dem folgende Bürger angehörten:
Joseph Krämer als Bürgermeister, Horst Möller als designierter Nachfolger
des Bürgermeisters, Siegfried Freytag, Helmut Glaser, Rolf Kästner, Helmut
Kindleb,Walter Lahde, Fritz Schneegaß, Gerhard Stichling, Thilo
Schönert und Werner Vogt.
Im Januar 1974 wurden die Eigentumsverhältnisse für das Gaststättengrundstück
mit der Familie Arno Glaß geklärt. Als erstes wurden eine alte
Scheune und weitere kleine Nebengebäude abgerissen. An dieser Stelle wurde
1974 der Grundstein für das Kulturhaus gelegt.
In den ersten Wochen nach der Grundsteinlegung gab es viel Skepsis unter
den Einwohnern, ob das “überhaupt was wird”. Diese Skepsis war nicht ganz
unberechtigt, hatte man doch in den vorangegangenen Jahren manches Projekt
entworfen, das dann aber aus Geld- und Materialmangel zurückgestellt werden
musste. Beim Bau des Kulturhauses aber ging es voran. Alsbald bemerkten
das die Bürger der Gemeinde und kamen in zunehmender Zahl, besonders
nach Feierabend und am Wochenende, um beim Bau des Kulturhauses mitzuhelfen.
Bei nur geringer Entlohnung, oft gab es nur ein paar Kästen Bier und Zigaretten,
wurde im wahrsten Sinne des Wortes geschuftet.
Man hatte sich vorgenommen, bis zum 7. Oktober 1975, dem 26. Jahrestag der DDR, das KULTURHAUS fertigzustellen. Nicht selten wurde bis in die späte Nacht hinein gearbeitet. Ein besonderes Problem war die Bereitstellung des Baumaterials aller Art, ein generelles Problem in der DDR.
Dank guter “Beziehungen” des Baustabs zur Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) Bau “Einheit” und zum Bau- und Montagekombinat (BMK) konnte manche Materiallücke
geschlossen werden.
Am 7. Oktober 1975 wurde unter großer Teilnahme der Einwohner das Kulturhaus eingeweiht. Es war ein “rauschendes Fest”. An zwei Tagen wurde getanzt, gesungen, gegessen und getrunken. Rund 450 Bürger finden Platz im geräumigen Saal, zu dem eine Garderobe, ein Foyer und ein Küchentrakt gehören. Bald wurden auch noch die Außenanlagen gärtnerisch gestaltet, so daß
das KULTURHAUS “ZUR FAHNERSCHEN HÖHE” der nunmehrige Mittelpunkt des Dorfes ist, in dem viele Veranstaltungen wie Jugendweihen, Kirmes, Hochzeiten, Tanzabende, Sängertreffen, Geflügelausstellungen, Versammlungen usw., stattfinden.
Um den ganzen Komplex des Kulturhauses nutzbar zu machen, wurde 1978 der KLEINE SAAL (der ehemalige Saal der Gaststätte “BRAUNES ROSS”) rekonstruiert, der nun ca. 100 Personen Platz bietet und für kleinere Veranstaltungen bestens geeignet ist. Im Erdgeschoß wurde ein Friseursalon
eingerichtet, der von Hella Kindleb bis 1992 betrieben wurde. Danach zog die Deutsche Bundespost ein, die aber aufgrund anderer regionaler Planungen ihre Poststelle 1995 schloss. Heute befindet sich darin der Proberaum für den Männergesangverein 1990 und den Frauenchor Ballstädt.
Der gesamte Komplex des KULTURHAUSES nebst Außenanlagen kostete 1,4 Millionen Mark.
Bild 29: Das Kulturhaus und seine Außenanlagen







