Ulrich Mütze_Friedrichswerth vom Radweg aus | zur StartseiteLucienne Babst | zur StartseiteAntonia Ludwig_Sandbrück Friedrichswerth | zur StartseiteBannerbild | zur StartseiteBannerbild | zur StartseiteBannerbild | zur StartseiteRolf Janson_Hochheim Rittermühle | zur Startseite
  • Link zur Seite versenden
  • Ansicht zum Drucken öffnen
 

Kriegerdenkmal Ballstädt

Eine Frage der Ehre, des Gedenkens und des Mahnens

Klaus Kühnel

 

„Zwei Kriege in 100 Jahren. Unter den Gefallenen drei aus einer Sippe waren. Sie alle sind es gleichsam wert, dass man sie heute noch ehrt.“ 

So heißt es in einem Gedicht von Milja Brand (1933-2007), das sie zur Denkmalsweihe im September 2007 schrieb.

 

Cui honorem, honorem! (Ehre, wem Ehre gebührt). Diese Redensart stammt aus dem Brief des Paulus an die Römer, dessen Gegenstand der Gehorsam gegenüber der Obrigkeit ist.

Nun fragt man sich, was hat dieses Zitat mit Ballstädt zu tun? Recht viel oder recht wenig - je nachdem, wie man es beurteilt.

Auch in unserer Gemeinde sind Begriffe wie Ehre oder zumindest das damit verbundene Gedenken - in diesem speziellen Fall der Gefallenen beider Weltkriege -  keine Fremdworte, ja sogar Tugenden. Ein Denkmal sollte hier eine Frage der Ehre sein - heute eher eine Frage des Gedenkens und Mahnens und nicht der Heroisierung wie früher -  und so entschlossen sich die Altvorderen unseres Landes nach dem 1.Weltkrieg im Juli 1921 eine Stätte des Gedenkens zu schaffen, als Mahnung und Erinnerung, aber auch als Trost für die im Heimatort noch lebenden Angehörigen. In fast allen Gemeinden Deutschlands, die Gefallene zu beklagen hatten, ist das immer noch Tradition und Verpflichtung, nicht nur in Ballstädt.

 

„Die Zeit heilt alle Wunden“ - um wieder ein bekanntes Zitat zu nennen, welches Trost und Zuversicht spenden soll. Aber wie es mit der Zeit, oder besser gesagt mit deren berühmtem Zahn so ist, schafft er manchmal neue Wunden. Im Fall unseres Denkmals die Wunden des Verfalls und der Verwitterung.

In der ehemaligen DDR beachtete man diese Denkmale kaum und überließ sie dem Wetter und der Zeit, zum Teil aus politischem Kalkül, oft aber auch wegen fehlender Mittel der damals so schwer zu beschaffenden Baumaterialien. Andere Bauvorhaben hatten Vorzug.

Die politische Wende 1989 änderte vieles, so auch die Sicht auf Denkmäler dieser Art und die Notwendigkeit ihrer Erhaltung und Sanierung.

Folglich war auch in unserer Gemeinde die Sanierung und Vervollständigung mit den Namen der Gefallenen des 2. Weltkrieges unumgänglich geworden, welche 1992  ihren Abschluss mit der Einweihung neu angebrachter Gedenktafeln fand. 

So sollten zumindest die Gefallenen unserer Gemeinde wieder ihre verdiente Ruhe finden.

Die Toten fanden sie wohl, aber einige Bürger Ballstädts nicht. Waren doch aus Unkenntnis oder besser gesagt Unüberlegtheit die Gefallenen des 1. Weltkrieges einfach unter den neuen Gedenktafeln verschwunden. Schuldzuweisungen und Fehlerdiskussionen sollen nicht Gegenstand dieses Berichtes sein. Eine heikle Sache – zum einen historisch, emotional für die noch lebenden Verwandten zum anderen. Die Männer ließen nun mal unter fürchterlichen Bedingungen ihr Leben und das Mindeste, was man ihnen schuldet, ist ein ehrendes Gedenken, aus dem eine Mahnung an die nachfolgenden Generationen erwächst.

Der Ballstädter Traditionsverein BTV gab zum Glück keine Ruhe und machte sich daran, diesen unglücklichen Zustand zu ändern. Genau zu berichten, was es bedeutete, dieses Denkmal so zu gestalten, dass allen Genüge getan wird – Genehmigungen einholen, Spenden sammeln, bauliche Erfordernisse erkunden und beachten, freiwillige Arbeitsstunden leisten, Überwindung von Bedenken seitens der Politik und der Kirchgemeinde, generelle Ablehnung aushalten – würde den Rahmen dieser Chronik sprengen. Jedenfalls sei vermerkt, dass die Gemeinde 500 € zur Sanierung beitrug. 

 

Ende gut – alles gut! Um unsere Anekdote zu beenden, trifft auch hier wieder diese kleine Weisheit zu. So konnten die Mitglieder des BTV unter Hartwig Stüber, Falk Horn, Klaus Wittig und vor allem aber Lutz Allstedt mit seinem profunden geschichtlichen Hintergrundwissen im  September 2007 bzw. Juli 2012 mit den beiden erneuten Einweihungen nach aufwändiger Neugestaltung ein trauriges Kapitel der Dorfgeschichte einvernehmlich abschließen, und dem Denkmal durch die Umgestaltung einen würdigen Rahmen verleihen. 

Dank gilt auch hier nochmal der Gemeinde Ballstädt, allen Beteiligten, zahlreichen Spendern und den Ballstädter Bürgern!

 

Inschrift des Ballstädter Kriegerdenkmals:

 

Edmund Glaser X 2.2.15 b. Rawa, 26 J. alt

Arthur Jung II X 20.2.15 b. Ypern, 21, J. alt

Paul Schneegaß X21.7.15 b. Senue, 21 J. alt

Hugo Eisenhardt X 23.7.15 b. Wygoda, 23 J. alt

Karl Kreutzburg X 24.7.15 b. Dubissa, 22 J. alt

Udo Vogt X5.8.15 b. Cholm, 21 J. alt

Karl Stichling X 5.10.15 in Ostrowo, 30 J. alt

Wald. Stichling X8.1.16 b. Rajstovac, 36 J. alt

Kurt Kaltwasser X 12.4.16 b. Verdun, 25 J. alt 

Emil Bohn X5.5. 16b. Ypern, 20 J. alt

Paul Breithaupt II X 20.8.16 b. Verdun, 26 J. alt

 

 

Es fielen im Kampfe fürs Vaterland

 

 

Karl Heyn X 16. 5. 17 b. Roeux 20 J. alt

Karl Köllner X 30. 5. 17 i. Beverloo 18 J. alt

Karl Marx X 20. 7. 17 b. Msjana  20 J. alt

Paul Klotz X11. 8.17  b. Langemark 29 J. alt

Alfred Klotz X 25. 5.18 b. Tourbois 31 J. alt

Paul Güntherodt X22. 9.17 b. Poelkapelle 27 J.alt

Reinhold Beck X 9.11.17 i. d. Argonnen 43 J. alt

Ernst Göring X 17.11.17 b. Poelkapelle 19 J. alt

Otto Glaser X 13.3.18 b. Most 19 J. alt

Rudolf Baumbach X 21.3.18 b. Vendeuil 23 J. alt

Willy Steube X 22.3.18 b. Cambrai 22 J. alt

 

 

Hugo Sever X5.5.18 am Kemmel 42 J. alt

Willy Jung X12.6.18 b. Mortemer  30 J. alt

Willy Schmähling X 23.7.18 b. Baslieux 23 J. alt

Albrecht LauferX 11.8.18 b. Chaulnes 19 J. alt

Erich Kühn X11.8.18 b. Chaulnes 22 J. alt

Otto Lindemann X 9.10.18 b. Fleville 37 J. alt

Otto Kolbe X9.5.19 in Nantes 22 J. alt

Otto Steube X 1.5.19 in Ballstädt 41 J. alt

                    

          Ferner starben

Emil Breithaupt X15.6. 1916     44 J. alt

Berthold Stichling X 17.1.1917   38 J. alt

 

 

 

Südplatte

 

 

 

 

Ihren tapferen Söhnen

in Dankbarkeit

Die Gemeinde Ballstädt

Einstellungen für mehr Barrierefreiheit

Schrift

Schrift­größe

100%

Kontrast

Kontraste

Inhalts­einstellungen

Barrierefreiheits­erklärung