Bockwindmühle Ballstädt
Mühlen sind seit vielen Jahrhunderten die Helfer der Menschen. Unter Ausnutzung von Wind- und Wasserkraft mahlten sie Getreide, trieben Hammerwerke oder Schöpfräder. Noch heute gibt es sie in Form der modernen Windräder zur Stromerzeugung.
Auch Ballstädt bediente sich der Wasserkraft entlang der TONNA. Noch heute kann man deutlich erkennen, dass es die OBER-, M ITTEL- und UNTERMÜHLE gab.
Eine besondere Bewandtnis scheint es mit der UNTERMÜHLE zu haben. Schon 1248, 1346 und 1542 wird eine SIBOLDISMÜHLE genannt, die jährlich 4 Malter Getreide an das Kloster zu Reinhardsbrunn zu entrichten hatte. Vermutlich war diese SIBOLDISMÜHLE, deren Namensbedeutung nicht zu erkunden ist, die heutige UNTERMÜHLE, somit auch älteste Mühle Ballstädts.
1930 kaufte Kurt Breithaupt eine 1834 gebaute Mühle in Eggersdorf bei Magdeburg, überholte sie gründlich und stellte sie im gleichen Jahr am ESELSSTIEG auf. Hier einige technische Daten:
Mühlenstein: - Läuferstein: 1,15 m Durchmesser 0,3 m Höhe ca. 400 kg Gewicht
Bodenstein: 0,15 m Höhe
Mühlenhaus: Länge 6 m, Breite 4,5 m, Firsthöhe 11 m
Flügel: 9 m lang, 2 m breit
Drehzahl: 8-10 Umdr./min
Übersetzungsverhältnis: 1: 8
Drehzahl des Mühlsteins: 64-80 Umdr./min
Die weitere Geschichte der Windmühle
- bis etwa 1960 Herstellung von Tierfutter
- seit 1970 Technisches Denkmal
- 1982 und 1984 vollständige Erneuerung der Flügel
- 1984 Installation einer Blitzschutzanlage
- 1992 neue Frontansicht
- 1995 Wiederherstellung des Sackaufzugs.
Die Pflege und Erhaltung dieses technischen Denkmals ist vornehmlich Werner Breithaupt und seinen Söhnen Wolfgang und Hartmut Breithaupt als Besitznachfolger zu danken.
Überall in Deutschland, wo solch schöne Mühlenbauwerke stehen, finden alljährlich die “Deutschen Mühlentage” statt. So kamen Ende Mai 1996, am Pfingstmontag 600 Besucher nach Ballstädt, um die Technik längst vergangener Tage zu bestaunen. Aufgabe in den nächsten Jahrzehnten wird es sein, diese Windmühle den nachfolgenden Generationen zu erhalten.
Förderverein Bockwindmühle Ballstädt e.V.
Wolfgang Breithaupt
Gründung: 8.10.2005 in Ballstädt
Gründungsmitglieder: 12 Erwachsene
Vorsitzender: Wolfgang Breithaupt
Stellvertreter: Harmut Breithaupt
Unsere Ziele
Zweck des Vereins ist die Erhaltung, Pflege und Förderung der Bockwindmühle Ballstädt als technisches Denkmal. In diesem Zusammenhang stehen auch die Erforschung und Wahrung handwerklicher, müllerischer Traditionen, der Kultur und der Lebensweise der Müller sowie des müllerischen, bäuerlichen Brauchtums. Dabei werden landwirtschaftliche Arbeitsmethoden, Geräte und Technik erhalten und dargestellt.
Was wir bisher erreicht haben
2008 Erneuerung des Schwellenbalkens und der Bockstreben
2010 Erneuerung aller 4 Flügel (zweite Sanierung) und Bruststücke
2017 Erneuerung von Eingangstreppe, Sackaufzug, Sterzbalken
Zur Finanzierung dieser umfangreichen Maßnahmen trug nicht nur das Denkmalamt bei. Vor allem die Regionalstiftung Kreissparkasse Gotha und Boreas Windkraftanlage halfen als Sponsoren.
Höhepunkte im Vereinsleben
Im Jahr 2019 haben wir bereits das 26. Mal am Deutschen Mühlentag teilgenommen. Danach fanden wegen der Corona-Pandemie keine Mühlentage mehr statt, was sich hoffentlich bald wieder ändert. Immer am Pfingstmontag finden auch bei uns Besichtigungen, Führungen und Treffs der Fachleute statt, die großen Zuspruch haben. Auch Ballstädter, die weggezogen sind, nehmen den Mühlentag als Anlass, nach Hause zu kommen.
Am zweiten Sonntag im September ist die Ballstädter Bockwindmühle zum „Tag des offenen Denkmals“ ebenfalls zugänglich.
Zur Vorbereitung solcher Höhepunkte wirken immer alle ca. zehn Mitglieder des Vereins mit.
„Hohen Besuch“ hatte unsere Bockwindmühle schon öfter.
2010 Der Leiter der Sparkasse kam zur Einweihung der Flügel.
2017 Der Oberbürgermeister führte eine Trauung in der Windmühle durch.
2018 Das MDR-Fernsehen drehte an der Windmühle einen Wetterbericht.
Im Vereinsleben gab es ein trauriges Ereignis. Am 5.12.2016 ist unser Mitglied Werner Schleicher im Alter von 88 Jahren verstorben. Er war der Fachmann und Erbauer der Windmühlenflügel, die 1981/82 die Windmühle zu neuem Leben erweckt hatten.
Besonderheiten
Es besteht auch außerhalb der festen Mühlentage für Besuchergruppen – Schulklassen, Kindergartengruppen, Freundes- oder Vereinskreise – die Möglichkeit zu Besichtigungen und Führungen. Sie ist ein beliebtes Ziel auch für Radtouren und Nachtwanderungen.
Seit 2007 gestalten wir den feierlichen Rahmen für Trauungen/Eheschließungen. Dazu kommt das Standesamt Gotha und führt die amtliche Hochzeitszeremonie durch. Auch die Hochzeits- oder Silberhochzeitsnacht kann man in der Windmühle verbringen oder Namensgebungen vornehmen.
Zu den Besuchstagen ist an der Mühle ein „Erlebnisklo“ geöffnet.
Es können zwei verschiedene Motive von Ansichtskarten käuflich erworben werden.
Ein selbst gezeichneter „Stadtplan“ von Ballstädt liegt für ortsunkundige Besucher bereit.
Geschichtliche Daten zum technischen Denkmal Bockwindmühle Ballstädt
Die Bockwindmühle steht seit 1930 in Ballstädt am Eselstieg und gehörte zur Mittelmühle vom Landwirt Kurt Breithaupt.
Die Windmühle war etwa von 1955 bis 1960 als Schrotmühle in Betrieb.
Seit 1970 gilt sie als technisches Denkmal im Landkreis Gotha und wurde auch auf einer Briefmarke abgebildet.
Durch die umfangreichen Erhaltungsmaßnahmen ist sie wieder vollständig hergestellt.
Sie ist ein Wahrzeichen des Ortes und für viele Ballstädter „Unsere Windmühle“.







