Rolf Janson_Hochheim Rittermühle | zur StartseiteAntonia Ludwig_Sandbrück Friedrichswerth | zur StartseiteBannerbild | zur StartseiteLucienne Babst | zur StartseiteBannerbild | zur StartseiteBannerbild | zur StartseiteUlrich Mütze_Friedrichswerth vom Radweg aus | zur Startseite
  • Link zur Seite versenden
  • Ansicht zum Drucken öffnen
 

Ehemaliges Rittergut Ballstädt

Vom Rittergut zum Dorf-Festplatz

Horst Dünkel

 

Die „Chronik von Ballstädt 822 - 1997“ endet in ihrem Abschnitt zum Rittergut auf S. 92 mit dem Satz: „Seit 1996 ist es unbewohnt. Seitdem verfällt es gänzlich“. Das hat sich geändert. Doch blicken wir noch einen Moment zurück. 

 

Zuvor aber nahmen 1992 Studenten der Uni Koblenz Guts- und Gesindehaus zeichnerisch auf. Initiator war Prof. Lammert dieser Uni, der zusammen mit dem Bürgermeister unserer Partnergemeinde Miehlen Ballstädt besuchte. Er war zu diesem Zeitpunkt der Meinung, man könne das Gut als historischen Komplex wieder aufbauen und fachgerecht sanieren. Ein Architekturbüro aus der Schweiz interessierte sich 1996 auch deshalb dafür und kaufte es im gleichen Jahr von der Familie. Es verfiel aber tatsächlich immer weiter. 2003 stürzte die letzte verbliebene Scheune ein und fiel auf die Straße. Dies war letztlich der Anlass für die Gemeinde, das gesamte Anwesen 2004 dem Schweizer Investor zu einem sehr günstigen Preis abzukaufen, denn keines seiner Nutzungskonzepte (u.a. ein Wohnpark) konnte mangels Interesse umgesetzt werden. Stattdessen hatte er jährlich große Summen zur Verkehrssicherung an der schmalsten Stelle der Rittergasse aufzuwenden und die Gemeinde inzwischen ein eigenes Neubaugebiet am Eselsstieg erschlossen. 

Bald danach, am 28.4.2005, begann der Teilabbruch der Ruinen und die Umgestaltung des gesamten Grundstückes nach der Planung durch das Ballstädter Ingenieurbüro Eisenhardt. 

 

Die Abbrucharbeiten erledigte die Firma Heinz Werner aus Aschara, den Teich auf dem ehemaligen Mistloch gestaltete die Friedrichrodaer Firma Bielert, die Stromzuführung übernahm Wilfried Mänz aus Hochheim. Das Geländer auf dem Herrenhauskeller fertigte Jörg Möller aus Sonneborn und die Abdichtung der Oberfläche besorgte die Firma AIT, mit dem Ballstädter Geschäftsführer Thomas Köllner.

Die Maurerarbeiten – die Umfassungsmauer wurde komplett rekonstruiert – konnten zum großen Teil durch ABM-Kräfte erledigt werden. Die gewählten Bilder können die Vielzahl der Helfer nicht wiedergeben, die zur Stelle waren, wenn es am Wochenende galt, als Fachmann oder Handlanger zuzugreifen. 

 

Von Anfang an war klar, dass wieder ein Gebäude - und zwar von Grund auf neu -  errichtet werden sollte. Das Taubenhaus samt Remise errichtete Firma Fritz Schneegaß. 

 

Die Freiflächengestaltung war Sache der Firma Helmut Müller aus Warza. Die meisten Pflasterarbeiten erledigte gekonnt Hans Hollasch. 

So dauerte die Herrichtung des Gutsgeländes nur ein gutes Jahr, und Anfang September 2007 konnte mit einem „Ritterfest“ das Rittergut als Dorf-Festplatz eröffnet werden. Viele Veranstaltungen haben seitdem dort stattgefunden. Besonders seien das Maienfest, viele Heufeste, mehrfache Sängertreffen, der Adventsmarkt, das Maibaumstellen, das Osterfeuer und diverse private Feiern erwähnt. 

 

Tatsächlich ist das Rittergut zu einem Dorf-Festplatz geworden. Jährlich ist das Gut Mittelpunkt des Frühjahrsputzes der Vereine in Ballstädt. 

Des weiteren ist es auch möglich das Objekt für Feierlichkeiten bei der Gemeinde Nessetal zu mieten

 

Was dort zunächst immer fehlte, war ein öffentliches WC. Ein Kostenvoranschlag im Rahmen der Dorferneuerungsmaßnahmen in Höhe von 70.000 € nahm uns den ganzen Mut, so eine Anlage zu bauen. Doch durch einen glücklichen Zufall erfuhren Thomas Köllner und Detlef Eisenhardt 2014, dass eine noch intakte, leicht reparaturbedürftige Anlage in Oberhof „ausgemustert“ werden sollte. Dann ging es schnell. Die Kranfima Gade&Wagner Autokrandienst Goldbach übernahm 2015 die Anlieferung. 

 

Entworfen und gebaut haben Jörg Illhardt und Wolfgang Kirchner das Dach, Hans Hollasch den Unterbau, das Pflaster und die Treppe. Die Installationsarbeiten erledigte Andreas Schneegaß, die Pflasterarbeiten wieder Hans Hollasch, und nach Inbetriebnahme des neuen Abwasserkanals in der Rittergasse war die Anlage ab 2018 komplett und nutzbar. Anstatt 70.000 € hat alles zusammen keine 5.000 € gekostet! 

Auch die geplante 1200-Jahrfeier im Juni 2022, die Anlass für dieses Chronikbuch ist, soll dort stattfinden.

 

Bei der Sanierung wurde viel historische Bausubstanz wieder sichtbar gemacht bzw. ergänzt, z.B. schöne Treppen- und wiederbegehbare Kelleranlagen.

 

DIE GESCHICHTE DES FREI-, ERB- UND LEHNGUTES ZU BALLSTÄDT

 

Eine dominierende Rolle spielte in vielen Dörfern Thüringens das RITTERGUT, so auch in Ballstädt. Das ursprüngliche RITTERGUT befand sich auf dem Areal des heutigen GUTES einschließlich der Kirche und der anliegenden Grundstücke, also auf einem erhöhten Punkt des Dorfes. In Chroniken wurde es als der HERRMANNSTEIN bezeichnet, da sein erstgenannter Besitzer Herrmann von Ballstädt hieß. Zum Besitz des GUTES gehörte noch das heutige GÜTCHEN, an dessen Stelle einst eine Wasserburg gestanden haben soll. Die Rittergutsbesitzer besaßen eine Reihe von Vorrechten, so unter anderem die Hut- und Triftgerechtigkeit. Dabei kam es 1743 sogar zu einem heftigen Streit zwischen der Gemeinde und dem Gutsbesitzer, als dieser die Schafe auf die Felder trieb, ehe sie “aufgetan”, d.h. zum Abweiden freigegeben waren. Der Gutsschäfer wurde von den Einwohnern samt seiner Herde von den Feldern verjagt.

 

Das GUT besaß die alleinige Backgerechtigkeit. Darüber hinaus mussten die Bauern, je nach Abhängigkeit, Spanndienste leisten. Der Gutshof mit Herrenhaus, Gesindehaus und Stallungen

Ebenfalls verpachtete der Gutsbesitzer Land an landarme Bauern, was diese wiederum vom GUT abhängig machte. Noch ärmere Dorfbewohner verdienten sich ihr tägliches Brot gegen geringe Entlohnung auf den Gutsländereien.

Ein weiteres Recht des Gutsbesitzers bestand in der Patrimonialgerichtsbarkeit, d.h. er konnte kleinere Vergehen wie Feld-, Wald- und Viehdiebstahl bestrafen. Aus diesem Grund war daher noch bis zum 19. Jahrhundert ein Halseisen an der Gemeindeschenke angebracht, das wohl um 1750 das letzte Mal benutzt wurde. Größere Straftaten wurden durch das herzogliche Gericht in Gotha verfolgt.

 

Nun aber zurück zu den Besitzern des RITTERGUTES. Wie bereits erwähnt, waren die ersten  Besitzer Herrmann und Heinrich von Ballstädt. Über 300 Jahre besaß diese Familie das RITTERGUT, wobei sie sich nicht immer löblich hervorgetan hat, was aber an einer anderen Stelle erwähnt wird.

Seit 1496 werden dann die Herren von Scharfenstein, von Fahner, von Anspach und Grießheim, von Wangenheim und der Name des Fürstlich-Sächsischen Rates Schulze als Besitzer des Frei-, Erb- und Lehngutes zu Ballstädt erwähnt. Bei der häufigen Besitzfolge bis 1789 wurde das GUT auch öfter

geteilt, so dass zeitweilig ein kleines Gut bestand, das heute noch das “GÜTCHEN” heißt.

 

Ab 1789 lässt sich dann die Besitzfolge recht genau verfolgen. So erwarb in diesem Jahr Johann Christoph Lampert aus Sundhausen das gesamte GUT. Nach dem Tode Lamperts im Jahre 1818 wurde ein Teil der Gutsländereien an Ballstädter Bauern verkauft. Von den vier Erben Lamperts kaufte Lamperts älteste Tochter Eva Stern, Witwe des Lehrers Stern, der in einem kleinen Teich

des GÜTCHENS 1803 ertrank, das heutige Gelände des GÜTCHENS, während der jüngste Sohn Lamperts, Johann Karl Lampert, das große GUT erwarb. Er wiederum verkaufte es 1843 für 17.000 Taler an Ernst Bernhard Stichling. 5 Jahre später verkaufte Ernst Bernhard Stichling gegen eine Entschädigung von 6.000 Talern seine Hut- und Triftgerechtigkeit an die Gemeinde.

Mit Preisgabe dieser letzten Vorrechte endete auch die dominierende Stellung des RITTERGUTES innerhalb der Gemeinde.

Dieser bereits erwähnte Ernst Bernhard Stichling war der Großvater des 1958 verstorbenen Kurt Stichling. Von ihm übernahm sein Schwiegersohn Werner Dachrodt 1935 das GUT, da Kurt Stichling keine männlichen Nachkommen hatte. Werner Dachrodt bewirtschaftete das GUT bis zur Gründung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) 1958. Mit dem Nutzungsrecht durch die LPG begann auch der Verfall des GUTES, da die Erhaltungskosten nicht aufgebracht wurden.

 

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 ging das GUT wieder in Privatbesitz über. Die Enkel

Werner Dachrodts wurden die Besitzer. Diese wiederum hatten längst andere Berufe ergriffen, so dass das GUT Anfang 1995 verkauft wurde. Seit 1996 ist es unbewohnt. Seitdem verfällt es gänzlich.

 

Ein völlig anderes Schicksal war dem GÜTCHEN beschieden. Nach dem Tode Johann Christoph Lamperts ältester Tochter Eva Stern, erwarb die Familie Beutler aus Eschenbergen das GÜTCHEN, von dieser wiederum ging es an den Mühlenbesitzer Breithaupt über. Im Besitz der Familie

Breithaupt blieb es bis 1989 als Armin Breithaupt II starb. Das

gesamte Anwesen befindet sich heute in einem sehr guten Zustand.

 

Durch Erbteilung übernahmen die Schwiegersöhne Armin Breithaupts, Thilo Schönert und Rolf Kästner, jeweils einen Teil des Anwesens. Thilo Schönert erhielt das große Wohnhaus, in dessen Erdgeschoß 1992 ein Friseursalon für Tochter Hella (Kindleb) gebaut wurde. Den ehemaligen Kuh- und Pferdestall baute Rolf Kästner 1967/68 in ein modernes Wohnhaus um. Somit befinden sich auf dem Areal des GÜTCHENS zwei Wohnhäuser, Nebengebäude und Gartenanlagen.

Damit ist auch die Geschichte dieses Teilrittergutes nur noch historische Erinnerung.

Einstellungen für mehr Barrierefreiheit

Schrift

Schrift­größe

100%

Kontrast

Kontraste

Inhalts­einstellungen

Barrierefreiheits­erklärung