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Kirche St. Bonifatius Pfullendorf

Die evangelische St.-Bonifatius-Kirche im Nessetaler Ortsteil Pfullendorf ist ein einladendes Gotteshaus mit einer langen und wechselvollen Geschichte. Erstmals wird 1541 eine Kirche „Zur lieben Frauen“ in Pfullendorf erwähnt. Diese ältere Kirche wurde 1831/32 abgetragen und durch die heutige, dem heiligen Bonifatius geweihte Saalkirche ersetzt. Der Kirchturm jedoch reicht in Teilen weiter zurück: Sein unteres Geschoss stammt aus gotischer Zeit und besitzt zwei Spitzbogenöffnungen – nach Westen als Portal und nach Osten zum Kirchenschiff hin. Ein Kreuzgewölbe überzieht den Turmraum, durch den man die Kirche betritt.

Das Innere überrascht durch seine unerwartete Weite und Helligkeit. Trotz der zweifachen Emporen, die den Raum umlaufend fassen, bleibt die Atmosphäre offen und freundlich. Große Fenster auf allen Seiten tragen zu diesem lichtdurchfluteten Eindruck bei und machen die Kirche nicht nur für Gottesdienste, sondern auch für Konzerte und besondere Veranstaltungen attraktiv. Ein fester Bestandteil des Jahresprogramms ist etwa die Pfullendorfer „Lichterkirche“ im Advent, die mit Live-Musik viele Besucher anzieht.

Auch die historische Ausstattung des Gotteshauses ist bemerkenswert. Zwei Glocken im Turm stammen aus dem Jahr 1728, wobei eine 1839 nach einem Sprung umgegossen wurde. Im Ersten Weltkrieg wurde 1917 die große Glocke zerschlagen und – ebenso wie die Zinnpfeifen der Orgel – für Kriegszwecke eingeschmolzen. Die heutige Orgel geht ursprünglich auf ein Instrument von 1711 aus der Werkstatt Johann Christoph Thielemanns zurück. Ein kunstvoller gläserner Kronleuchter mit bronzenen Verzierungen und acht Lichtern wurde 1852 von Johann Friedrich Marksohn gestiftet.

Der Kirchturm an der Westseite des Kirchenschiffs wurde mehrfach erneuert: 1703 und 1863 umfassend saniert, wobei 1863 die nördliche Turmmauer wegen eines großen Risses neu errichtet wurde. Am 25. Oktober desselben Jahres setzte der Kupferschmied Mälzer aus Gotha einen neuen Turmknopf samt verzierter Fahne auf. 1906 erhielt der Turm eine neue, besonders präzise gehende Uhr. 1934 wurde er mit einem neuen Schieferdach versehen und Turmknopf sowie vier Eckknöpfe vergoldet. Nach dem Zweiten Weltkrieg reparierte man im November 1948 einen Durchschuss am großen Turmknopf und entfernte ein eingraviertes Hakenkreuz.

Seit dem 1. Mai 1912 werden die Pfarrstellen Hausen, Pfullendorf und Bufleben gemeinsam von Bufleben aus verwaltet. Auf dem zur Kirche gehörenden Friedhof wurde am 22. April 1923 ein Kriegerdenkmal eingeweiht.

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