Gaststätte "Vier Jahreszeiten" und Gasthofplatz Warza
Wie in anderen Dörfern, so zählt auch der Gasthof in Warza zu den Mittelpunkten im Dorf. Im Gasthof wurden und werden Veranstaltungen wie die Kirmes durchgeführt, werden Informationen und Neuigkeiten ausgetauscht und Geschäfte abgeschlossen. So war und ist es schon seit Alters her. Der Warzaer Gasthof war früher ein Zollhaus und wurde 1349 erbaut. Ein noch vorhandener Baustein trägt diese Jahreszahl.
Der Gasthof wurde damals auch als Pferdewechselstation genutzt, denn wichtige Fahrwege gingen an ihm vorbei. So führte ein Weg von Erfurt (Stadt an der europäischen Handelsstraße Via Regia) über Kindleben direkt nach Warza und von hier über Goldbach in Richtung Bad Langensalza.
Die Verbindung über Westhausen nach Langensalza gab es ebenso wie den Namen Bad Langensalza damals noch nicht.
Im Jahre 1720 übernahm die Gemeinde den Gasthof, der viele Jahre später abgerissen wurde (1792). An gleicher Stelle entstand ein neues Gebäude für Kosten in Höhe von 1863 Taler, 4 Groschen und 8 Pfennige. Die dazugehörende Scheune wurde ausgebessert.
Aus den Unterlagen des Staatsarchives Gotha sind viele Betreiber und Pächter der Gaststätte bekannt. Auskunft liefern vorliegende Pachtverträge.
1806 Hoh. Caspar Brand
1834 Michael Baumbach aus Cabarz
1837 Joh. Christoph Zang aus Hohenkirchen
1846 Elisabeth Rothe
1855 Wilhelm Schuchardt
1858 Conrad Stunz
1861 Friedrich Treyße (Pacht bestand aus Lieferung von Naturalien)
1864 Peter Grimmer aus Hohenkirchen (Pacht: 36o Taler, Pachtzahlung vierteljährlich)
1867 Georg Theodor Grimmer
1870 Georg Theodor Grimmer und Karl Kästner, Gastwirt aus Tennstädt
1873 Karl Kästner übernahm die Gaststätte allein, zu einem jährlihen Pachtpreis von 212 Talern
1876 Ernst Schlöffel aus Großfargula (jährliche Pacht 790 Mark)
Wie wir leicht erkennen, prägte unseren Gasthof eine wechselvolle Geschichte. Als im Jahre 1806 der Rückzug der Preußen nach der Niederlage gegen die Franzosen durch Warza führte, wurden im Gasthof sämtliche Lebensmittel ausgeplündert. Der damalige Pächter Joh. Caspar Brand erhielt 100 Taler Schadensersatz aus der Gemeindekasse. Auch die Schlacht bei Langensalza und Umgebung (1866) brachte Einquartierung von Offizieren im Gasthof. Das Soldatenlager wurde an der Ostseite aufgeschlagen.
Als im Jahre 1867 Georg Theodor Grimmer die Gaststätte pachtete, betrug die Pacht 300 Taler jährlich.
Zum Grundstück gehörten:
Wohnhaus
1 altes 2-stöckiges Stallgebäude
neues Scheuergebäude
neues Stallgebäude
Kegelbahn
Hofraum
Garten
Plan (50 Ar — lag auf der Ostseite des Grundstückes)
Da 1867 die Eisenbahn Gotha — Langensalza ihren Betrieb aufgenommen hat, hatte der Gasthof Ausfall an Ausspannen zu verzeichnen. Auf Antrag eines Pachterlasses von jährlich 175 Talent reagierte der Gemeindeausschuss mit Ablehnung.
Preußisch-polnische Arbeiter suchten damals Arbeit beim Eisenbahnbau und waren im Gasthof untergebracht, sie wollten der Hungersnot in ihrem Land entfliehen.
Ein besonderes Erlebnis prägte unser Gasthaus, als im Jahre 1869 am 3. Mai das 25jährige Regierungsjubiläum Seiner Hoheit des Herzogs Ernst II. gefeiert wurde. Wir erinnern uns, er regierte von 1844 - 1893. Im Saal wurde das „Gedenkblatt" verlesen. Anschließend war für die Männer eine Speisefolge mit Getränken, 7 Taler pro Person, verabreicht worden. Eine Tanzveranstaltung für alle Einwohner krönte den Abend.
1881 Bau einer kleinen Räucherei für Wurst und Fleisch im Gasthof.
1885 Der bisherige Pächter Ernst Schöffel kauft den Gasthof für 13.500 Mark von der Gemeide ab.
1891 Im Frühjahr macht ein Gastwirt Jahn (Millitärmusiker) auf sich aufmerksam.
1891 Ende des Jahres übernahm ein Gastwirt Max Müller das Objekt.
1908 Ein gewisser Richard Dittmar ist Pächter des Gasthofes „Herzog Alfred".
1925 Gastwirt Zeyße übernimmt den Saalanbau - Bühne.
1931 Neuer Besitzer des Gasthofes „Herzog Alfred" wird Edwin Heß. Im Gasthof wird noch eine Fleischerei betrieben.
1946 Am 1. Mai des Jahres fand in der Gaststätte Heß die erste kulturelle Veranstaltung nach dem Krieg statt.
Im Jahre 1956 verlässt Edwin Heß Warza in Richtung Bundesrepublik Deutschland. Nach seiner Rückkerhr 1963 übernimmt er wieder seinen Gasthof und nennt ihn in Anlehung an seine Fernfahrertätigkeit in den letzten Jahren „Fernfahrers Ruh". Die Kirmes im Oktober 1967 wird abgesagt, weil Edwin Heß seinem Leben ein Ende setzt.
In den Jahren dazwischen war die Gemeinde Eigentümer. Franz Weber wird Pächter des Gasthofes (1957 - 1962). Auffallend war bei ihm die schöne Saaldekoration. Die Tanzveranstaltungen mit Tonbandmusik waren damals sehr beliebt.
Ab 01.04.1968 pachtet die ZBO (Zwischenbetriebliche Bauorganistation) den Gasthof und nutzt die Räumlichkeiten zweckentfremdet als Büros und als Lagerräume. Zwischendurch fanden immer mal wieder Geflügelausstellungen statt. Auch Tanzveranstaltungen, wie die beliebten Fischerfeste, wurden durchgeführt.
1984 wendet sich das Blatt wieder und der Saal wurde in Ordnung gebracht. Am 01.05.1986 fand nach langer Zeit die erste Tanzveranstaltung statt. Nach 20jähriger Pause veranstalten die Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr Warza endlich wieder eine Kirmes. Erwartungsgemäß war der Besuch der Einwohner überwältigend. Als Pächter der Gaststätte übernahm Roland Taubert die Geschäfte bis zum Sommer 1998.
Der Name der Gastwirtschaft an der B247 „Vier Jahreszeiten" wird mit übernommen.
Der Gasthof mit Saal befindet sich mittlerweile seit 1. September 1998 im Eigentum der Gemeinde.
Voraussetzung für einen neuen Pächterwechsel waren die Renovierung und der Einbau einer Gasheizung.
Um weiteren Schaden vom Gebäude abzuhalten, erhielt das Saalgebäude im November 1999 ein neues Dach.
Mit Mitteln der Dorferneuerung hatte die Gemeinde die einmalige Chance das Gasthofsgebäude mit Saal vollkommen zu sanieren. Das Gebäude erhält neue Fenster und Türen, Außenputz und eine behindertengerechte Auffahrt. Auch im Inneren erfolgt die Renovierung auf neuesten Stand. Ein lang gehegter Wunsch ging in Erfüllung.
Im Laufe der Geschichte gab es neben dem Gasthof weitere Gaststätten in Warza.
1893 erbaut Otto Fröbing von Cobstädt am Bufleber Bahnhof einen Gasthof und verkauft ihn ein Jahr später an einen Louis Zickart.
Durch die Eröffnung eines weiteren Gasthofes an dem zu Warza gehörenden Bahnhof Bufleben hat sich der Bierkonsum in der Gemeinde Warza bedeutend gehoben. Er betrug in diesem Jahr 696 Liter. Dadurch flossen 417 Mark und 6o Pfennig Biersteuer in die Gemeindekasse.
Louis Zickart betrieb die Gaststätte von 1894 — 1947.
Weitere Gastwirte sind bekannt: Familie Hatzius, Otto Weise, Waltraud Hei
Nach Beendigung seiner Gastwirtstätigkeit in Warza übernahm Franz Weber 1963 die Gaststätte am Bufleber Bahnhof bis zum Schluss.
1894 kaufte Otto Fröbing die Gaststätte an der B247, da er im gleichen Jahr den Gasthof am Bufleber Bahnhof verkaufte.
Weitere Pächter der ehemaligen Gaststätte „Vier Jahreszeiten" an der B247 waren:
1957 bis 1970 Walter Günzler
1970 bis 1984 Jochen Günzler
1984 bis 1998 Roland Taubert
Der Grundstücksverkauf erfolgte zwischenzeitlich am 27.05.1977 durch Frau Martha Schlaefke, geb. Schmidt, an die Gemeinde. Am 29.05.1991 wurde das Grundstück ins Private überführt. Bis 1957 ist ein Gastwirt Paul Schmidt bekannt, dessen Frau gleichzeitig einen Kolonialwarenladen betrieb.
Er war Eigentümer des Grundstücks.









