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Kirche St. Johannis Warza

Blick vom Friedhof zur Kirche
Kirche St. Johannis Seitenansicht

Fährt man auf der B 247 nördlich von Gotha hinaus, kommt man nach Warza, einem Kirchort der EMMAUS Gemeinde Goldbach-Wangenheim mit 714 (2018) Einwohnern und 135 (2023) Gemeindegliedern.

 

In unmittelbarer Nachbarschaft zur Gaststätte „zu den vier Jahreszeiten“ befindet sich die St. Johannes – Kirche. Ihren Namen zu Ehren des Evangelisten Johannes hat sie wohl vom Vorgängerbau, einer 8-eckigen Kapelle. Zur angrenzenden Kirchstraße mit den alten Gehöften und ehemaligen Bauernhäusern, die sich eng aneinander lehnen, steht die Kirche erhöht, wie auf einem Berg. Von der Straße trennt sie eine mächtige Sandsteinmauer. Man steigt unten von einer alten Wasserpumpe an der Straße aus und durch ein Tor mehrere Stufen zu ihr empor. Oben am Weg vorbei am Turm zum Eingangsportal der Kirche stehen verwitterte Grabsteine, die vom alten Friedhof rund um die Kirche zeugen. Dazwischen, dicht an der Mauer, der mächtige Stamm einer alten Robinie. Frisch saniert strahlen die Mauern des Kirchturmes, der die Kirche nach Westen abschließt und aus der Barockzeit stammt. Er ist als würdiges Wahrzeichen des Ortes und mit der neuen Uhr weithin zu sehen. Steigt man auf den Turm, findet man 2 bronzene Glocken von 1850 und 1930 vor. Aus den Turmfenstern, hat man einen herrlichen Rundblick über den Ort. Eindrucksvoll ist die zu kirchlichen Feiertagen wehende Kirchenfahne und vor allem das in der dunklen Jahreszeit weit strahlende Lichtkreuz  in der Turmhaube.

 

In das Kirchenschiff tritt man durch ein Portal mit stilisiertem Astwerk. Die große, helle Kirchenhalle zieht einen sofort in ihren Bann. Der Chorraum nach Osten ist spätgotisch (um 1520) und damit ältester Teil der Kirche. Auch der schöne Taufstein in der Mitte stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die hohen Fenster rechts und links vom Altar beeindrucken mit schöner Bildverglasung, das Südfenster ziert ein Martin-Luther-Bildnis. Blickt man vom Altar zurück, sieht man die frühbarocke Kanzel und auf der Empore die schön klingende, historische Orgel von 1840. Sie wurde restauriert und ist recht gut spielbar. Die Orgel stammt aus der Werkstatt von Johann Friedrich Schulze aus Paulinzella und wurde 1840 eingebaut. Ein Rundgang um die Kirche läßt die verschiedenen Bauepochen erkennen, verwitterte Grabsteine zeugen vom alten Friedhof an der Kirche.

 

Quelle: https://kirche-nessetal-hainich.de/kirchdoerfer/emmaus-2/warza-2/

 

Die Kirche „St. Johannis" zu Warza sowie die Pfarrei

 

Der spätgotische Bau von 152o wurde mehrfach umgebaut und erwei­tert. An der Nordseite des Chores schloss sich ursprünglich eine Sakris­tei an. In den Jahren 1554 und 1768 erfolgten Erweiterungen des Lang­hauses und der Bau des Turmes. Heute hat der Chor ein Ausmass von 6,3 m Länge x 8,6 m Breite. Das Langhaus misst 17,3 min der Länge und 8,6 m in der Breite. Der Grundriss des Turmes beträgt 3,4 m x 3,6 m.

 

An Stelle der heutigen Kirche stand ehemals eine kleine achteckige Ka­pelle aus Seeberger Sandstein. Deren Mauerwerk wurde teilweise wie­der verwendet, als man im Jahr 1520 mit dem Bau der Kirche „St. Johan­nis" begann. Der älteste, bis heute erhaltene Teil, ist der spätgotische östliche Chorteil. Hier findet sich neben der kleinen Tür an der nörd­lichen Außenseite der Kirche die unten abgebildete erhabene Aufschrift mit dem Hinweis auf das Jahr 1520.

Die Fenster der Nordost-, Ost- und Südseite sind große einfache Spitzbögen. Eigenartig stellen sich die Fenster auf der Nordseite dar, eine Art baro­cker und gotischer Auffassung. Weiter nach Osten zeigt die Nordseite eine zugemauerte und dann eine offene Flachbogentür aus neuerer Zeit.

Im Innern der Kirche stammt die tonnenförmige Holzdecke aus der Bauzeit des Turmes, dem Jah­re 1768. Die Kanzel, dargestellt aus fünf Seiten eines Achtecks mit einem Schalldeckel aus Holz verziert, wurde im 17. Jahrhundert erbaut.

 

Drei Glocken zierten zu jener Zeit unsere Kirche. Die kleinere der drei Glocken ist die Älteste. Sie wiegt 1,5 Zentner und zeigt in Mönchsschrift das Ursprungsjahr - „Anni Domini" 1504 -.

 

Die größte Glocke wog 15 Zentner. Sie wurde vom Glockengießer Hiob Hahn aus Gotha 1738 umgegossen und wiegt seit dem 18 Zentner.

Die mittlere Glocke, sie wiegt etwa 6 Zentner, entstand im Jahre 1761 in Erfurt.

Der Taufstein stammt aus dem Jahre 1578.

 

Während des großen Brandes 1779 konn­ten die Kirche und der Turm nur durch größte Anstrengungen vor der Vernich­tung bewahrt werden.

 

Die Kirche in Warza besaß 1796 einen beträchtlichen Besitz an Gütern und Erbzinsen. Zu den Gütern gehörte unter anderem 1 Hufe Freiland, die seit undenklichen Zeiten verpachtet war und 24 Mfl. Pacht einbrachte.

Jeder Pächter war außerdem verpflichtet, zur Dezimation dem Pfarrer 6 Mz Korn abzuliefern. Ferner mußte dem Kantor Korn als Schulbesoldung abgegeben werden. Der jeweilige Pächter hatte außerdem für die obligatorische Glockenschmiere ein Viertel Hafer aufzubringen.

Endlich war er noch verpflichtet, Material zur Heizung der Schulstube, aber auch alles Ährstroh und Futter zu liefern.

 

Von der einen noch im Kirchenbesitz befindlichen Waidmühle beliefen sich die Einnahmen an Erbzinsen. Die Einnahmen an Erbzinsen beliefen sich auf 3 Meißner Gulden (Florin), 13 Gulden, 4,25 Pfennig an Geld und 5 Meißner Gulden, 7 Gulden, 11 Pfennig Waidgeld. Aus einem Legat des Einwohners Jeremias Heyge erhielt die Kirche 20 Mfl., und aus einem Vermächtnis von der Einwohnerin Susanne Margaretha Schneegassin 10 Mfl.. In ihrem Vermächtnis an die Kirche hatte die Schneegassin be­stimmt, daß davon die Interessen an jedem Matthiastag unter die Schulkinder verteilt werden sollen.

An Pfarrgütern waren 1769 3,5 Hufe freies Artland und 1 Ar Wiesen jenseits der Nesse in der Westhäuser Flur vorhanden.

Außerdem gehörten zu den Pfarrgütern einige Grasflecken an dem Warzbach vor den Kirch- und Pfarrländereien, die jedes dritte Jahr

brachlagen (Dreifelderwirtschaft). Zu diesen gehörte außerdem die Nutzung der Pappeln und Weiden von  den o.a. Ländereien. Obendrein erhielt der Pfarrer an jedem Dezem von jedem Erblandbesitzer 5 Mz. Korn. Die Größe des Landes spielte dabei keine Rolle.

Jeder Besitzer von Zinsland mußte die gleiche Menge an die Pfarrei abgeben. Besaß jemand sowohl Erb- als auch Zinsland, so hatte er 10 Metze Korn zu entrichten. Auch ausgezahlte Kinder mußten beides in gleicher Menge aufbringen. Die Pfarrei selbst besaß im Ort einen Lehnhof, auf dem zu dieser Zeit ein Hans Georg Wolf wirtschaftete.

Dieser Hof brachte der Pfarrei 4 Gulden Erbzins und ein Huhn ein. Aus einem Pfarrbesoldungsanschlag aus dem Jahre 1750 geht hervor, daß die Ländereien nicht so ergiebig gewesen seien wie die der Nachbarorte und daß man auf einem Acker höchstens ein Schock Roggen und auf einem Acker Hafer nur 0,5 rechnen könne. Der Pfarrdezem in Naturali­en sank von 44 Malter im Jahre 1750 auf 25 bis 26 Malter im Jahre 1860.

 

Er wurde im gleichen Jahre mit 200 Talern aus der Gemeindekasse ab­gelöst. Auf Beschluß des Herzogs durften ab 1848 an den Pfarrer das bisherige Frongeld von jährlich 3 Reichstaler, 17 Gulden, 9 Reichspfen­nig nicht mehr gezahlt werden. Da die Gemeindekasse ihrem Pfarrer Fleischhauer diesen Betrag weiterhin auszahlte, wurde sie in einem geharnischten Schreiben aufgefordert, Rechtfertigung vor dem herzog­lichen Justizamt abzulegen. 
Der verausgabte Betrag sollte wieder einge­zogen werden.

 

Die seit der Reformation in der Gemeinde tätigen Pfarrer hießen:

1525 - 1551        Behem, Johan

1554 - 1573       Schipper, Johan

1573 - 1589       Mager, Christoph

1591 - 1598        Wenigerkind, Franciscus

1595 - 1636       Braun, Johan

1632 - 1636       Walther, Johann, Subst.*

1636 -1640        Walther, Johann

1640 - 1677       Madelung, Johannes

1677 -1723        Madelung, Johann Matthias

1723 - 1757       Bischoff, Johann Georg

1753 - 1757       Müller, Johann, Georg, Subst.*

1757 - 1774       Müller, Johann Georg

1774 - 1805       Freytag, Johann, Adolf

1804 - 1806       Ehrhardt, Johann Daniel, Subst.*

1806 -1845        Ehrhardt, Johann Daniel

1846 - 1870       Fleischhauer, Johann Heinrich

1871 - 1898        Seeligmann, Friedrich Karl Otto

1898 -1934        Köllein, Hans

1934 - 1951        Ziegner, Oskar

1951 - 1956        Riefenstahl, Albert

1956 -1973        Kästner, Ludwig

1973 - 1976       Poller, Eckart

1976 - 2008      Winterberg, Rosemarie

ab    2008        Bruhnke, Thomas

* Ein Substitut ist ein Unterbevollmächtigter Vertreter, auf den ein Be­vollmächtigter, die ihm von einem Dritten erteilte Vollmacht ganz oder teilweise weiter übertragen hat.

 

Weitere Daten über Ereignisse in der Kirchengeschichte von Warza:

 

1521 Taufe: In älteren Zeiten mußte jedes Kind am 1. Tag nach der Ge­burt getauft werden. Man glaubte, das Kind bleibe bis zur Taufe in der Gewalt des Teufels. Das Kind erhielt stets den Vornamen des Paten.

Beerdigungen: Am ersten Tag nach dem Eintritt des Todes fand die Beisetzung statt, wohl wegen der Ansteckungsgefahr. Ab dem Jahre 1772 mußte zwischen Tod und Beerdigung ein Zeitraum von mindestens 48 Stunden liegen.

 

1554 Vergrößerung der Kapelle mit Turmbau

 

1696 Einbau der Orgel

 

1766 Der alte Turm von 1520 wurde wegen Baufälligkeit abgetragen.

 

1767 Am 22. März 1767 erfolgte die Grundsteinlegung des neuen Turmes.

In den Dokumenten des Turmknopfes fand man folgende Anga­ben: Der ganze Turmbau kostete nicht nur den dasigen Inwoh­nern sehr viel Hand- und Pferdefrohnen, sondern auch an baren Gelde 3903 Meißner Gulden, 15 Groschen und 2,5 Pfennige. Die Kirche hat dazu 1776 Meißner Gulden, 1 Groschen und 1,5 Pfen­nige „freiwillig beygetragen". Der Rest wurde durch Gemeinde-Anlagen und „Thurmsteuern" bestritten.

Auf den neuen Kirchturm kam das Geläut.

 

1787 Die Turmuhr wurde vom Uhrmacher Lauterbeck für den statt­lichen Betrag von wo Reichstalern eingebaut. Gerichtsschöppe Ludwig übernahm die Kosten.

 

1798 Gottesacker: „Der geräumige Gottesacker, welcher 84 vierzehnschuige Ruthen in sich fasset (=1 Rute -13 Zoll- = 3,6572 m) umgiebt die Kirche von allen Seiten dergestalt, daß sie die Mitte desselben einnimmt. Da auf selbigem die Todten der Reihe nach begraben werden, so verstreichen wohl, wenn anders der Ort nicht mit einem außerordentlichen Sterben heimgesucht wird, 30 Jahre, eher alle Gräber geöffnet werden. In diesem Falle aber findet man die Todten völlig verweset. Die Grab- und Obstnut­zung darauf hat der jedesmalige Schuldiener."

 

Pfarr-Gebäude: 

„Die Pfarr­wohnung als auch sämmtliche Wirtschaftgebäude, das Pfarrbrauhäuschen ausgenom­men, sind von dem wüthenden Feuer 1779 verzehret, aber in eben diesem und dem gleich darauf folgenden Jahre völlig neu erbauet worden. Das Pfarrhaus hat 3 Stuben und 8 Kammern."

 

"Brandassecurations-Taxe der geistlichen Gebäude": 

1200 Rthlr. - Kirche; 1200 Rthlr. - Turm; 500 Rthlr. - Pfarrwohnung;

100 Rthlr. - Scheuer; 100 Rthlr. - Stall; 250 Rthlr. - Schulwohnung; 75 Rthlr. Scheuer; 5o Rthlr. Stall

Summa: 3475 Reichsthaler. 

 

1804 Die mittlere Glocke ist zersprungen. Die Gebrüder Ullrich aus Apolda gießen eine neue mittlere und eine kleinere Glocke.

Die Kosten der mittleren Glocke betragen 38o Thaler, die der kleineren 204 Thaler.

 

1811 Die Kirchweihfeste dürfen in den Ortschaften des Amtes Gotha nicht mehr am 3. Dienstag nach Michaelis, sondern am 6. Diens­tag nach Michaelis gefeiert werden.

 

1818 Die westliche Seite des Kirchturmes wird repariert. „Neu berapte Kosten 100 Thaler".

 

1824 Anschaffung von vier neuen größeren Fenstern (Kosten = 192 Thaler, 2 Groschen und 11 Pfennige).

 

1826 Der Kirchturm wurde ab sofort durch einen Blitzableiter ge­schützt.

 

1827 Reparaturen an der Kirche werden vorgenommen. Wir lesen dazu in der Chronik: „... und dieselbe dadurch verschönert worden, wo auch zugleich die Sakristei hinter dem Altar angebracht worden. Der Pfarr Weiberstand wurde auch damals an die nördliche Seite, nach dem Altar zu, gebaut. Kosten 661 Thaler, 22 Groschenund 7 Pfennige." Am 3. Juni 1827 werden im Her­zogtum neue Gesangsbücher eingeführt.

 

1840 Einbau einer neuen Orgel (1.400 Reichsthaler).

 

1845 Pfarrer Ehrhardt war in der Gemeinde tätig von 1806 - 1845. 

Ihm haben wir die ausführlichen Berichte über die Ereignisse in die­sen Jahren in Warza und Umgebung zu verdanken.

 

Der Grabstein ist zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr auffindbar. Er soll laut Kirchenchronik folgende Inschrift getragen haben:

 

Grabstein des Pfarrers Joh. Daniel Ehrhardt:

Hier ruht neben drei ihm früh vorangegangenen Kindern Heinrich, Louise und Charlotte

 

Johann Daniel Ehrhardt - Pfarrer zu Warza

geb. den 13.10.1766 in Ballstädt

gest. den 26.12.1845 in Warza

 

Schlaf unter dieser Kirche heiligen Schatten.

Wo lange und fromm und treu dein Wort erschall.

Wir scheiden hin, auch vom geliebten Gatten.

Vom Vater und vom Freund und trauernd denk Deinen

Leiden..... Wiedersehen..... Ernst die getreu.....

 

1846 Nachfolger wurde Joh. Heinrich Fleischhauer für die nächsten 24 Jahre. Seine Gedenktafel befindet sich nördlich der Kirche ne­ben dem Weg.

 

Neben seiner Tätigkeit als Pfarrer verfasste er ein „Populär-phy­sikalisches Handwörterbuch für Schule und Haus". Es erschien im Jahre 1858 in der Schulbuchhandlung Langensalza.

 

1848 Am 2. Bußtag im Dezember ist die große Glocke zersprungen.

Der Umguß der zersprungenen Glocke erfolgte im Mai 1850 bei der Firma Carl Friedrich Ullrich in Apolda.

Am 17. Mai 185 wurde der Aufzug der neuen Glocke vollzo­gen.

Die Aufschrift lautet:

Rufe zur Freude, zum Trost, zum Frieden

Zur Ehre Gottes und zum Nutzen hiesiger Kirchgemeinde ließen diese Glocke umgießen, der Ortsvorsteher Joh. Kaspar Baum­bach und dessen Ehegattin Martha Sabina geb. Reichhardt

 

1854 Das allgemeine Totenfest wird vom Herzoglichen Oberkonsisto­rium angeordnet. Am letzten Sonntag vor dem Advent soll es gefeiert werden.

 

1856 Der Einwohner Joh. Jacob Schneegaß verehrte der Kirchge­meinde am Konfirmationstage seiner Tochter Marie Juliane Helene ein großes Taufbecken aus Kupfer, da keines mehr vor­handen war. Ein Dieb hatte das alte und mehrere zinnerne Orgelpfeiffen im Jahre........ gestohlen.

Noch heute ziert dieses Taufbecken unsere Kirche. Die Inschrift ist im Becken eingraviert: — Juliane Schneegaß 1856 —

 

1857 Die alte Sakristei wurde abgebrochen, sie war der untere Teil des Turms, solange die Kirche noch ein Octagon (-Achteck) bil­det vor Luthers Zeit. Beim Abreißen fand sich ein Stück Leichenstein mit der Aufschrift: - 1566 den 1........ Schultheiß zu Wartz.... Christus ist mein Leben ....

 

Das Gewölbe des Turmes wurde hergerichtet.

 

1862 Im Pfarrgarten wird ein Pumpbrunnen hergestellt. Er ist 18 Fuß tief und hat 10 - 12 Fuß Wasserstand.

 

1871 Der Pfarrgarten wird neu angelegt. An der Südseite des Pfarrhauses wurde eine Veranda gebaut, 6o Neupflanzungen getätigt und Wege angelegt.

 

1872 Vergrößerung des Friedhofes, das Spritzenhaus wurde deshalb versetzt. Die Ausfahrt der Spritze erfolgte jetzt an der südlichen Giebelseite.

 

1880 In diesem Jahre wurde vom Pfarrer Seeligmann ein schönes großes Altarbild angeschafft. Es stellte Christus am Kreuz nach einem russischen Original dar. Die Kosten betrugen 250 Mark.

 

Das Bild gereichte der Kirche zu großer Zierde.

Das Altarbild wurde von der Ver­lagsbuchhandlung Schulze in Ber­lin geliefert.

 

1881 Ein neuer Eingang aus Seeberger Sandstein ist in den Turm der Kir­che gebaut worden. Die Steine sind genau den alten nachgebaut, auch das mystische Zeichen im Bogen der Tür ist genau so, wie es im alten Stein eingehauen war. Der Bau hat mit der neuen Flügeltür 120 Mark gekostet.

 

1883 Der 400jährige Geburtstag Martin Luthers (io. November 1483) wur­de auch in Warza festlich begangen. Jeder Familie wurde eine Lutherschrift verehrt.

 

1885 Anschaffung von zwei gemalten bunten Kirchen­fenstern rechts und links vom Altar. Für 230 Mark wurden wahre Kunstwerke der neuen Glasmale­rei eingesetzt. Sie sind ein herrlicher unvergäng­licher Schmuck unseres Gotteshauses.

 

1887 Dachrinnen werden an die Kirche angebracht.

 

1888 Eine neue Kirchentüre am Hauptportal wird angefertigt, der Ei­sen-Beschlag stammt aus dem 16. Jahrhundert.

 

1890 Die Kirchgemeinde Warza läßt das „Lutherfenster" einbauen. Die Kosten beliefen sich auf 30o Mark. Das Fensterbild stellt Lu- 

ther dar, wie er auf dem Lutherdenkmal in Worms steht.

 

1893 Am 10. Dezember wurde in Warza ein Gesangsverein gebildet, der es sich zur Aufgabe gestellt hat, durch Aufführung kirch­licher Musikstücke und Concerte zur Hebung und Veredlung des Gesangs beizutragen. Der Verein wurde vom Schullehrer geleitet.

 

1894 Der Warzaer Kirchenchor wird aufgelöst. Die Leistungen sind so schlecht, so daß der Gesang den Gottesdienst stört.

Der Kirchturm erhält einen neuen Zementmantel und teilweise einen neuen Sockel.

 

1896 Am 6. April des Jahres erfolgt die Einführung des neuen Ge­sangbuches. Die Orgel wird gereinigt.

 

1901 Die zersprungene kleine Glocke wird repariert und am 12. No­vember wieder aufgezogen.

 

1917 Die Warzaer Gemeinde hat das Opfer der kleinen und mittle­ren Glocke dem Vaterland bringen müssen. Eigentlich hätte die große Glocke mit in den Krieg ziehen müssen, aber auf Bitten der Gemeinde wurde sie als Geschenk vorläufig vom Kriegs­dienst entbunden.

Am Montag, den 18. Juni läuteten in Warza die Glocken sich selbst zum Abschied.

 

1919 Am Turm sind ständig Reparaturen notwendig, auch im Kir­cheninneren wird vieles erneuert.

 

1930 Am 11.12. des Jahres wurde die neue kleine Glocke probeweise geläutet, Weihnachten 1930 erfolgte die Einweihung mit neuem Dreiklang: fis - ais - iss. Die Glocke wurde durch den Erfurter Glockengießer Störmer gegossen. Der bisherige Glockenton war fis - a - iss.

Die Aufschrift der kleinen Glocke lautet 

 

„Gott segne und erhalte Warza"

 

Gewidmet: An Stelle der Euer Kriegszwecke 1917 enteigneten, stiftet der Kirchengemeinde diese Kinderglocke der Frauenver­ein Warza, zur Feier seines 20-jährigen Bestehens - 1930.

 

1933 Pfarrer Köllein geht in den Ruhestand. Er stirbt am 20. Februar 1935. Sein Grab befindet sich noch heute auf dem Friedhof.

 

1942 Die mittlere und die große Glocke wurden am 19.12. ausgebaut und sollten für Kriegszwecke eingeschmolzen werden. Während die mittlere Glocke nie mehr auf­tauchte, wurde die große Glocke am 13.12.1946 auf einem Schrottplatz in Wechmar wiederge­funden. Am 12.01.1947 wurde sie wieder auf den Turm gebracht. Nun hatte unsere Kirche nur noch zwei Glocken.

 

1955 Madonnenbild im Pfarr­haus — gemalt für die Kirche in Warza als Kan­zelbild von Aenne Scha-efer, geb. Fleischhauer (Enkelin von Pfarrer Fleischhauer).

 

1963 Abriss der Leichenhalle und deren Neubau.

 

1964 Der Kirchenaufgang von der nördlichen Seite wird neu gestal­tet.

 

1967 Die Erneuerung des Turmes erfolgt über Jahre bis 1972, die Turmuhr wird überholt.

 

1982 Die Kirche wird mit neuen Ziegeln eingedeckt, der Glockenstuhl wird repariert.

 

1985 Die Gemeinde untersagt den Verkauf der Kirchenfenster hinter dem Altar und läßt diese reparieren.

 

1986 Der Zaun auf dem Friedhof wird gesetzt, das Tor neben der Leichenhalle wird neu gestaltet und die Leichenhalle erhält ein neues Dach.

 

1991 Das abendliche Läuten um 18 Uhr wurde eingeführt. 1995 musste das Läuten aus Sicherheitsgründen wieder ein­gestellt werden; der Glockenstuhl hielt den Belastungen nicht stand.

 

1992 Das „Lutherfenster" wird restauriert. Die Gemein­de unterstützt mit 5.000 Mark.

 

1993 Mit Unterstützung der Gemeinde Warza wurde ein elektrisches Uhrwerk eingebaut und eine neue Uhrglocke sorgt für das vier­telstündige Schlagen. Die Uhr hatte seit 1975 nicht mehr geschla­gen.

 

1994 Das Ehrenmal am Eingang der Kirche wurde durch einen neuen Gedenkstein verschönert.

 

1996 Am 06. September, um 15.55 Uhr schlug der Blitz in die Kirch­turmspitze ein. Es enstanden Schäden an der Turmuhr und an vielen elektronischen Geräten in der angrenzenden Kirchstraße.

 

In den folgenden Jahren erfolgen viele Pflegearbeiten und Verschöne­rungsarbeiten. Umfangreiche Maler- und Elektroarbeiten wurden in der Kirche durchgeführt. Reparaturen und Neugestaltung der Bänke und des Fußbodens waren notwendig.

Die Gemeinde unterstützte die Kirchengemeinde bei all diesen Renovie­rungsarbeiten und trug auch einen Großteil der Kosten.

 

Am 10.11.1996 wurde die Kirche nach langen umfangreichen Renovie­rungen mit einem Festgottesdienst wieder eingeweiht.

 

Weitere Daten nach der Wiedereinweihung:

 

1998 Eine neue Wasserzapfstelle auf dem Friedhof wurde geschaf­fen.

 

1999 Der defekte Blitzableiter wurde repariert

 

2001 Neuer Anstrich des Pfarrhauses neben der Kirche

 

2003 Die Kirchenmauer hatte dringenden Reparaturbedarf und wurde stückweise Stein auf Stein neu gesetzt.

Für fünf Bankreihen erfolgte der Einbau einer Heizung.

 

2004 Große Sorgen bereitete der Gemeinde die über 200 Jahre alte Bu­che seit vielen Jahren. Sie war stark durch den Schwefelporling geschädigt. Ein Gutachten belegte diesen krankhaften Zustand. Im Dezember wurde die Fällung vollzogen.

 

2005 Ein Jahr später wurden 2 Ersatzbäume gepflanzt, unter ande­rem wieder eine Buche.

 

 

Der Turmknopf

 

1670 Der Kirchturm erhält einen neuen Turmknopf.

 

1768 Nach erfolgtem Bau des neuen Turmes (1767) wurde der Turm­knopf im Herbst wieder aufgesetzt und solchergestalt der ganze Bau glücklich vollendet. Er ist bis an die doppelte sogenannte Welsch-Haube 70 Schuhe (i Schuh = 0,28133 m) hoch. Die untere und große Haube ist 32, die obere und kleinere 24, die Spindel der Fahne 70 Schuh hoch.

 

1825 Am 28. Oktober erfolgte die nächste Turmknopfreparatur. Größe des Knopfes nach Gothaischen Gemaß:

-  Ein Malter, eine Metze und 3 Masgen 

Gehalt des Knopfes:

- Einlagerung von Nachrichten durch Pfarrer und Gemeindevormundschaft

- Nachrichten vom Ort

- einen Gothaischen Ducaten und Münzen, die sich im alten Knopf befanden.

Pfarrer Ehrhardt leitete die Feierlichkeiten am 31. Oktober.

 

1878 Am 12. September wurde der Turmknopf von dem Schiefer­decker Schreiber aus Gotha abgenommen, weil der Knopf sehr schadhaft geworden war.

Die Vergoldung des Knopfes betrug 70 Mark. Am 15. Sonntag nach Trinitatis, am 29. September, fand die feierliche Aufsetzung

des Knopfes statt.

 

1896 Da der Turmknopf an mehreren Stellen durchschossen war, machte sich eine erneute Abnahme und Reparatur erforderlich. Der Knopf wurde vergoldet und am 1. Dezember des Jahres wieder aufgesetzt.

 

1967 Am 17. April wird der Turmknopf anläßlich der vollständigen Erneuerung des Turmes abgenommen. Nach Füllung mit aktu­ellen Münzen und Zeitungen erfolgt der Aufzug im Jahre 1969.

 

Fünf Schriftsätze sind im Turmknopf original erhalten.

 

Hier ein originalgetreuer Bericht von 1825: 
1. Schriftsatz

 

„Zur Nachricht für unsere Nachkommen, wenn wir nicht mehr sind.

Als dieser Knopf nach einer Reparatur wieder aufgesetzt wurde, im Jahre 1825, den 31. Oktober, lebten wir und unsere Zeitgenossen auf dem Lande nicht in den glücklichsten Um­ständen. Zwar genossen wir einen ungestörten Frieden und die gütige Vorsehung erfreute uns mit einer langen Reihe reicher Ernten, auch segnete sie unseren Ort mit Gesundheit, daß abgerechnet das schreckliche Kriegsjahr 1814, wo viele Menschen und eine ganze Familie von einem ansteckenden Nervenfieber hinstarben und abgerechnet das Jahr 1823, wo 3 junge brave Männer ihren Familien entrissen wurden, au­ßerdem keine feigen Gestalten, keine elende Krüppel herum­schleichen, sondern alle stark und kräftig, selbst viele Greise in den siebzigern und achziger Jahren jugendlich und munter fortschritten. Und der Allmächtige wachte über unseren Ort, daß keine Feuerbrunst ihn zerstörte.Und ich, der dieses schrei­bende, Geistliche dieses Ortes, gebe meinen Pfarrkindern das rühmliche Zeugnis, daß Recht, Pflicht, Ordnung, Keuschheit unter ihnen gelten, daß Gott, sein Wort Kirche, Sakrament in hohen Ehren standen, daß der Tag des Herrn sehr selten entweiht wurde, daß ich in der frohen Hoffnung lebe, unsere Nachkommen werden, wenn sie dieses lesen sollten und wir schon längst im Grabe ruhen, bei diesem Lobe ihrer Vorfahren nicht erröten, weil sie schlechter sind. Wir erziehen ja unsere Kinder in Zucht und Vermahnung zum Herrn. Dem Pfarrer ist ja sein Amt heilig, der Schullehrer arbeit nach Kräften und die Ortsvorgesetzten haben auch Sinn für das Gute.

Wir alle säen jetzt guten Samen, damit einst eine segenvolle Ernte reif werde.

Was aber das Irdische anbetrifft, so leben wir nicht in den glücklichsten Umständen.

1) Alles was der Landmann erzeugt, ist unglaublich wohlfeil: 1/4 Malter Weizen 18 Groschen, Korn 12 Groschen, Gerste 10 Groschen, Hafer 8 Groschen, 1 Korb Möhren 1 Groschen und 6 Pfennige, 1/2 Pfund Butter 1 Groschen und 6 Pfennige, 1 Schock Waid 1 Groschen und 4 Pfennige.
2) Alles was der Landmann bedarf ist Theuer, z.B.: 1 Paar Schuhe 1 Thaler und 12 Groschen, 1 Paar Schuhsohlen 12 Groschen, 1 Elle geringes Tuch 1 Thaler. 1 Klafter Tannenholz 4 Thaler, Buche 5 Thaler, 1 Wagenrad 2 Thaler und 12 Gro­schen.

3) Die Abgaben und Steuern haben sich wegen eines Krieges mit Frankreich vermehrt.
4) Unser Land ist verweißt, mit dem Herzog Friedrich starb die Ernestinische Linie aus und 3 Verwandte machen auf die Nachfolge Anspruch: Der Herzog von Hildburghausen, von Coburg und von Meiningen. Gott schenke uns bald einen wei­sen gerechten und frommen Regenten.

 

Noch dienet zur Nachricht:

In diesem Jahre 1825 zählt unser Ort 270 Einwohner. Pfarrer: Johann Daniel Ehrhardt; Cantor: Johann Christoph Bechstein; Schultheiß: Heinrich David Ritter; Gerichtsschöppen: Johann Konrad Rudloff und Heinrich Gottlieb Schneegaß; Gemeinde-Vormunde: Friedrich Wolf, Hartmann Fabstier, Ludwig Rud-loff, Christian Heinrich Brand, Johann Andreas Heyge, Johann Konrad Gold.

Wie lange wir noch, nachdem diese Schriften im Thurmknopf niedergelegt worden, leben und nach dem erhöherten neu­vergoldeten Thurmknopf hinaufschauen werden, wissen wir nicht, auch das nicht, welcher von uns der erste sein wird, welcher Thurmknopf, Kirche, Warza, Gotha, Erde nicht mehr sehen kann, sondern unter der Erde schlafen wird. Aber das wissen wir, dass diejenigen unserer Nachkommen, welche viel­leicht nach 50 oder wo Jahren den wieder morsch gewordenen Knopf abnehmen und diese Schrift lesen und unsere Namen mit Achtung lesen werden, wenn wir bis an unser Grab den von Gott und Obrigkeit uns anvertrauten Ämtern wohl vorste­hen und in demselben für unseren Ort Gutes wirken. Mögen die Leser dieser Zeilen in einer besseren Zeit leben, als die war, in welcher sie geschrieben wurden! Und möge zu allen Zeiten unser Ort des Lobes würdig bleiben, dass er jetzt im Vaterlan­de sich erworben hat."

 

Quelle: Chronik "Warza - Geschichte eines Dorfes"

 

 

 

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